Wegen Hitzewelle

Fischerei-Verband spricht von einem Fischsterben «historischen Ausmasses»

12. August 2022, 10:52 Uhr
Der Schweizerische Fischerei-Verband stellt als Folge der anhaltenden Hitze ein Fischsterben «historischen Ausmasses» fest. Noch mehr einheimische Fischarten könnte für immer verschwinden.

Der Schweizerische Fischerei-Verband SFV schlägt Alarm: Aus dem ganzen Mittelland, dem Jurasüdfuss und der Ostschweiz würden Fischerinnen, Fischer und Kantone in hoher Kadenz ausgetrocknete Gewässer und tote Fische melden, heisst es in einer Mitteilung vom Freitag.

Besonders stark betroffen vom Fischsterben seien die kältebedürftigen Arten, insbesondere Forellen und Äschen. Unter Druck gerieten aber auch zunehmend Nasen, Barben, Groppen, Elritzen und Schmerlen. Auf Nachfrage erklärt SFV-Geschäftsführer David Bittner, dass sich die Lage immer mehr zuspitze. «Wir haben zwar nicht die krassen Bilder von tausenden toten Fischen wie bei den letzten grossen Fischsterben. Aber das einfach nur, weil sich deren Bestände noch nicht erholen konnten.»

Bald gar keine Forellen oder Äschen mehr?

Bereits heute seien drei Viertel aller einheimischen Fischarten gefährdet, vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben. Gemäss Modellrechnungen des Bundes werde es im Mittelland bis in einigen Jahrzehnten bei einem weiteren Anstieg der globalen Temperaturen gar keine Forellen und Äschen mehr geben.

«Es zerreisst uns das Herz, wenn wir zusehen müssen, wie die Fische nach Luft schnappen oder leblos in den ausgetrockneten Pfützen der Gewässer liegen», wird SFV-Geschäftsführer David Bittner in der Mitteilung zitiert.

Ab 25 Grad Lebensgefahr für Fische

Bereits 20 Grad Wassertemperatur bedeute für die Fische Stress. Ab 23 Grad werde es kritisch und über 25 Grad lebensbedrohlich. Aktuell würden in Bächen und Flüssen vielerorts täglich neue Rekordtemperaturen gemeldet, oft deutlich über 25 Grad.

Gemäss Bittner müssen Gesellschaft und Politik endlich griffige Massnahmen gegen den Klimawandel und die Biodiversitätskrise ergreifen. Flüsse und Bäche müssten schneller wieder in einen natürlichen Zustand gebracht werden. Nur so seien Fische in der Lage, die hohen Temperaturen abzufedern. «Wenn wir das nicht schaffen, dann steuern wir auf eine Katastrophe hin», so Bittner vom SFV weiter.

Qualität der Gewässer schlecht

Um den qualitativen Zustand der Gewässer stehe es schlecht, auch wenn die blauen Seen und grünen Ufer der Tourismus-Werbung ein anderes Bild vermittelten, stellt auch der Verbandspräsident, der Solothurner SP-Ständerat Roberto Zanetti, fest.

Kurzfristig müssten die kantonalen Behörden eine restriktive Praxis für Wasserentnahmen sowie einen respektvollen Umgang mit den Rückzugshabitaten der kältebedürftigen Fische umsetzen. Das geltende Gewässerschutzgesetz müsse schneller umgesetzt werden.

Was muss getan werden?

Dringend nötig seien Massnahmen zur Aufwertung der Gewässer und Wiederherstellung der freien Fischwanderung, damit die Fische in Trockenperioden selbstständig kühlere und tiefere Bereich auffinden könnten. Dafür brauche es an den Ufern Bäume zur Beschattung und Abkühlung sowie im Wasser Totholzstrukturen wie Wurzeln und Wurzelstöcke als Verstecke und Rückzugsorte für die Fische. «Die Gewässer müssen schnell aufgewertet werden. Damit die Fische selbstständig in die kühlere Bereiche schwimmen können. Ausserdem muss die freie Fischwanderung wieder ermöglich werden.»

(sda/baz)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 12. August 2022 10:16
aktualisiert: 12. August 2022 10:52
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