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GDK-Präsident Engelberger

Flächendeckende Einführung von 2G ist eine Option

5. Dezember 2021, 07:52 Uhr
Lukas Engelberger, Präsident der Gesundheitsdirektoren, schliesst die flächendeckende Einführung von 2G-Regeln als Massnahme zur Bekämpfung des Coronavirus nicht aus. Der Bundesrat habe mit seinem Entscheid am Freitag schon vorgespurt.
Die Konferenz der Gesundheitsdirektoren ist laut ihrem Präsidenten, Lukas Engelberger, gegen eine allgemeine Impfpflicht. Damit würde nur eine Drohkulisse aufgebaut, die die Impfmotivation gefährden könnte. (Archivbild)
© KEYSTONE/MARCEL BIERI

Wenn man die Dynamik aber nicht in den Griff bekomme, würden Zulassungen nur für geimpfte und genesene Personen (2G) im öffentlichen Raum nicht ausreichen, sagte Engelberger in einem Interview mit dem «SonntagsBlick». Dann werde man die Maskenpflicht ausweiten und neue Kapazitätsbeschränkungen einführen müssen.

Allgemeine Impfpflicht ausgeschlossen

Wenig Kredit erhält derweil die Einführung einer Impfpflicht. In der Schweiz gelte der Grundsatz, dass die Impfung ein individueller Entscheid sein sollte, sagte Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen, der «NZZ am Sonntag». Mit einer allgemeinen Impfpflicht würde dieser Grundsatz verletzt.

Keine Drohkulisse aufbauen

Die Kommission sei der Meinung, dass eine solche allgemeine Impfpflicht nicht infrage komme – ausser es seien zuvor schon alle anderen Massnahmen bis hin zum Lockdown erfolglos ausgeschöpft worden. Engelberger sagte seinerseits, er glaube nicht, dass ein Obligatorium die Impfquote wesentlich erhöhe.

Es würde damit nur eine gewaltige Drohkulisse aufgebaut, die die Impfmotivation gefährden könnte. Denn um ein Impfobligatorium durchzusetzen, müsste die Schweiz so harte Methoden anwenden, dass das Verhältnis zwischen Bürgern und Staat langfristig schwer beschädigt würde, sagte Engelberger weiter.

Impfen als moralische Pflicht

Anderer Meinung ist der SP-Co-Chef Cédric Wermuth. Er fordert, dass nun über Massnahmen wie 2G oder eine Impfpflicht offen diskutiert werden müsse. Nach 20 Monaten Pandemie könne man nichts mehr ausschliessen, so Wermuth gegenüber der SonntagsZeitung. Auch der SP-Nationalrat Fabian Molina erhöht den Druck bei der Impfpflicht und will von der Regierung wissen, wie sie zu einem Impf-Obligatorium steht. 

Doch ist dies ethisch vertretbar? Ja, sagt der Zürcher Politphilosoph Francis Cheneval in der «SonntagsZeitung». Es sei eine moralische Pflicht sich in der aktuellen Situation impfen zu lassen. Dies habe jedoch nichts mit Impfzwang zu tun. Seiner Meinung nach seien «restriktive Massnahmen für impfbare Ungeimpfte und Privilegien für Geimpfte» ein Gebot der liberalen Fairness. 

Quelle: sda
veröffentlicht: 5. Dezember 2021 06:33
aktualisiert: 5. Dezember 2021 07:52