Tierversuche

Forscher fordern weniger Tierverschleiss bei Tierversuchen

2. Juni 2020, 14:37 Uhr
Trotz starker Standardisierung litten Tierversuche an ihrer geringen Reproduzierbarkeit, schliesst eine internationale Forschergruppe.
© Keystone
Bisher gilt bei Tierversuchen die Prämisse, unter möglichst streng standardisierten Bedingungen zu testen, um vergleichbare Ergebnisse zu erzielen. Nun fordern internationale Forscher ein Umdenken.

Trotz der Standardisierung sei die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse bei Tierversuchen «erstaunlich schlecht», wie die Abteilung Tierschutz der Uni Bern am Dienstag in einer Mitteilung schreibt. Deshalb schlägt eine Gruppe von internationalen Forscherinnen und Forschern vor, künftig absichtlich biologische Variation im Versuchsdesign einzuplanen.

Mangelnde Reproduzierbarkeit verursache nicht nur ökonomische Kosten und wirtschaftliche Unsicherheit, sondern es sei auch ethisch bedenklich, wenn dadurch medizinischer Fortschritt behindert und Tiere für nicht aussagekräftige Versuche verwendet würden. Deshalb brauche es einen Paradigmenwechsel, sprich: Heterogenisierung statt Vereinheitlichung.

Standardisierung schränkt den Geltungsbereich von Versuchsergebnissen und damit ihre Aussagekraft stark ein, schreiben die Forscherinnen und Forscher in der Zeitschrift «Nature Reviews Neuroscience». Sie erhoffen sich durch biologische Variation (Verwendung mehrerer Zuchtlinien oder Altersgruppen) eine Verbesserung des Erkenntnisgewinns pro Tier.

Darum gehe es im Wesentlichen: Weniger Versuche und damit weniger Versuchstiere, um belastbare Ergebnisse zu erzielen. Selbst wenn für einzelne Versuche mehr Tiere verwendet würden, werde damit der Gesamtverbrauch an Tieren sinken, betonen die Autorinnen und Autoren.

(sih)




Quelle: CH Media
veröffentlicht: 2. Juni 2020 14:35
aktualisiert: 2. Juni 2020 14:37