Anzeige
ETH-Forschungsstelle

KOF sieht Unternehmen konjunkturtechnisch wieder besser positioniert als vor Corona

4. August 2021, 12:53 Uhr
Für die Schweizer Wirtschaft verliert die Corona-Pandemie mehr und mehr ihren Schrecken. So befindet sich die Wirtschaft laut der neuesten KOF-Umfrage auf breiter Front auf Erholungskurs, wobei es Unterschiede unter den Sektoren gibt.
Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) sieht BIP in der Schweiz auch bei einer weiteren Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus steigen. Im Bild KOF-Direktor Jan-Egbert Sturm. (Archivbild)
© KEYSTONE/ENNIO LEANZA

Insbesondere das Gastgewerbe und der Dienstleistungssektor hinken noch hinterher.

Der neueste Geschäftslageindikator der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) zeigt für die hiesigen Unternehmen insgesamt erstmals eine bessere Lage an als noch vor der Pandemie zur Jahreswende 2019/20. Und auch für die weitere Entwicklung herrscht überwiegend Zuversicht, wie die KOF am Mittwoch mitteilte. Als Bremsklotz bezeichnen die Ökonomen der KOF die Engpässe in der Lieferkette.

Dennoch erwartet die KOF auch bei einer Ausbreitung der Delta-Variante ein hohes Wirtschaftswachstum in der Schweiz. Selbst in einem negativeren Szenario, bei dem die Corona-Fallzahlen früher und kräftiger steigen würden als bisher angenommen, werde das Bruttoinlandprodukt (BIP) um 3,8 Prozent steigen.

Weiterhin gilt für die KOF aber das Hauptszenario mit einer BIP-Prognose von +4,0 Prozent. Aufgrund der geringen Abweichung des BIP-Anstiegs im epidemiologisch negativeren Szenario gegenüber der epidemiologisch optimistischeren Juni-Prognose sehe man von einem Update der Sommer-Prognose ab, so die KOF.

KOF befürchtet keine Überlastung der Spitäler

Die KOF nimmt bei ihrer Vorhersage an, dass der Impffortschritt weitergeht, aber selbst stark steigende Fallzahlen nicht zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen und die Politik keine einschneidenden Schutzmassnahmen mehr beschliesst. Für das Jahr 2022 rechnet die KOF deshalb weiterhin mit einem BIP-Wachstum von 2,8 Prozent.

Diese Einschätzungen würden sich mit den grundsätzlich positiven Erwartungen der Schweizer Unternehmen bezüglich der gesamtwirtschaftlichen Lage decken, heisst es, denn der KOF-Geschäftslageindikator habe im Juli einen grossen Schritt nach oben gemacht.

«Die Sicht der Unternehmen ist relativ günstig und es besteht verbreitet die Hoffnung, die Corona-Folgen zu einem guten Stück abschütteln zu können», sagte der Leiter des Forschungsbereichs Konjunkturumfragen der KOF, Klaus Abberger, an einer Telefonkonferenz.

Stationärer Handel darf wieder hoffen

«Prächtig» läuft es laut Abberger etwa im Detailhandel und auch die Industrie habe sich sehr positiv entwickelt und sich vollständig von der Pandemie erholt. Der Bausektor befinde sich immerhin wieder in der Nähe des Vorkrisenniveaus.

Mit Blick auf den Detailhandel strich Abberger heraus, dass der Online-Handel zwar noch immer gut laufe, dass es aber eine Verschiebung zurück zum stationären Handel gebe. So können also auch die Ladenbesitzer wieder vermehrt Hoffnung auf bessere Zeiten schöpfen.

Weniger gut sieht es im Dienstleistungssektor aus. «Die Erholung hat zwar auch hier eingesetzt, insgesamt befindet sich der Sektor aber noch auf einem tiefen Niveau», erklärte Abberger. Eine Ausnahme stellt hier der Sektor der Finanzdienstleistungen dar, wogegen die Gastronomie das Sorgenkind bleibt.

KOF sieht keine grosse Gefahr durch Inflation

Ein Risiko stellen weiterhin die globalen Engpässe in der Lieferkette dar. Die Situation mit dem Mangel an Vorprodukten hat sich laut Abberger im Juli noch einmal zugespitzt. Und wo ein Mangel an Produkten herrsche, schlage dies auch auf die Preise durch. Das Problem werde auch nicht so bald vom Tisch sein. Er sieht aber nicht die Gefahr, dass diese Situation die Erholung abwürgen könnten, sondern höchstens bremsen.

Eine steigende Inflation sei bei einer wirtschaftlichen Erholung die Regel, meinte in diesem Zusammenhang auch Jan-Egbert Sturm, der Leiter der KOF. Das Problem sei deshalb etwas zu relativieren.

Quelle: sda
veröffentlicht: 4. August 2021 12:50
aktualisiert: 4. August 2021 12:53