Gefälschtes Bild

Frank Urbaniok setzt Putin in Versammlung von Pro Schweiz

Bettina Zanni, 17. Oktober 2022, 11:53 Uhr
Der Verein Pro Schweiz hielt ein Treffen ab. Psychiater Frank Urbaniok erstellte daraus eine Fotomontage mit Kremlchef Wladimir Putin. Die Forderungen nach Neutralität des Vereins ähnelten jenen der russischen Botschaft, so Urbaniok.
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Klatschend sitzt Wladimir Putin im Publikum in der Kaserne in Bern, während SVP-Doyen Christoph Blocher referiert. Auf den ersten Blick könnte man tatsächlich glauben, dass der Kremlchef am Samstag bei der Gründungsversammlung des neuen Vereins Pro Schweiz im Publikum sass. Doch beim Bild handelt es sich um eine Fotomontage.

Erstellt und auf Social Media geteilt hat die Montage der bekannte Gerichtspsychiater Frank Urbaniok. Als Vorlage nahm er ein Foto aus einem Zeitungsartikel. Am Samstag hatte die Tamedia-Redaktion über den Anlass berichtet.

«Zeigt Wahrheit deutlicher als nacktes Bild»

Auf die Frage einer Twitter-Userin, ob das Foto echt oder eine Fotomontage sei, antwortete Frank Urbaniok, dass beides zutreffe. «Es ist zwar eine Fotomontage, aber die zeigt die Wahrheit deutlicher, als das nackte Bild ist und somit auch irgendwie ‹echt›.»

Der Verein mit Christoph Blocher an der Spitze kämpft für die Unabhängigkeit und Neutralität der Schweiz. Entstanden ist der Verein aus der ehemaligen Aktion für einen unabhängige und neutrale Schweiz (Auns). Mit von der Partie sind SVP-Urgesteine wie Christoph Mörgeli, Adrian Amstutz, Ulrich Schlüer und Walter Wobmann.

«Satirisch zugespitzter Beitrag»

Ein User auf dem Business-Netzwerk Linkedin kritisiert: «Frank Urbaniok, solche Bilder resp. Unterstellungen sollten rechtliche Folgen haben. Nun verbreiten Sie mit diesem Foto, dass alle in diesem Saal anwesenden putintreue Anhänger sind. Sorry, Herr Urbaniok, dies ist eines Professors nicht würdig.»

Darauf antwortete Urbaniok, dass er den satirisch zugespitzten Beitrag nicht mögen müsse, aber ihn zumindest nicht überinterpretieren sollte. Mit dem applaudierenden Putin wird symbolisiert, dass diese Initiative und die vorgetragene Argumentation ‹Putins› Beifall findet, was allein schon dadurch nahegelegt wird, dass die russische Botschaft in der Schweiz nahezu gleichlautende Forderungen nach strikter Neutralität der Schweiz erhoben hat.»

Damit ist laut Urbaniok «selbstverständlich nicht ausgesagt», dass die Anwesenden Kriegsbefürworter sind. Der User sollte sich aber bewusst sein, dass es diese Übereinstimmung gebe und dürfe sich fragen, warum das so sei und ob das in seinem Sinne sei. «Denn auch das ist klar: Eine strikte, dogmatisch absolute Neutralität in einer Situation, in der es eindeutig Täter (einen Aggressor) und ein Opfer gibt, nützt immer dem Täter.»

«Wir fordern nur, was die Schweiz seit 100 Jahren macht»

Vertretende von Pro Schweiz haben dafür kein Gehör. «Diese Fotomontage ist völlig daneben», empört sich Walter Wobmann, Vize-Präsident von Pro Schweiz und SVP-Nationalrat, auf Anfrage der Today-Redaktion. Die Montage zeige, dass Leute, die ein solches Foto erstellten, neben den Schuhen stünden und keine Ahnung von der Thematik hätten. «Wir fordern ja nur das, was die Schweiz seit 100 und mehr Jahren macht, nämlich, neutral zu sein.»

Es sei bösartig, Putin in diesen Zusammenhang zu setzen, so Wobmann. «Das ist, als würde man in eine Versammlung von Linken ein Foto von Stalin einfügen.» Er glaube kaum, dass jemand über den Beitrag lachen könne.

«Potenziell auf der Seite des Täters»

Frank Urbaniok sagt auf Anfrage, dass er sich bei Themen wie dem Ukraine-Krieg oder auch den Protesten im Iran auf Social Media jeweils sehr deutlich positioniere. «Ich verstehe meinen Stil so, dass ich Dinge zum Teil satirisch zuspitze und pointiert meine Meinung zum Ausdruck bringe, jedoch ohne Grenzen zur Hetze, Beleidigungen oder Ähnlichem zu überschreiten.»

Politische Kategorien wie «rechts» oder «links» interessierten ihn nicht, sagt Urbaniok. «Ich wende mich auf Social-Media vor allem gegen Extremismus, egal ob links, rechts, religiös oder anderweitig weltanschaulich motiviert. Denn ich glaube, dass sich mündige Bürgerinnen und Bürger in den gesellschaftlichen Diskussionen zu Wort melden sollten. Davon lebt die Demokratie.» Was den Ukraine-Krieg angehe, gebe es einen klaren Aggressor. «Wenn man da komplett neutral bleibt und sich raushält, ist man potenziell auf der Seite des Täters.»

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 17. Oktober 2022 10:36
aktualisiert: 17. Oktober 2022 11:53