Mythos

Für die Waldbrandgefahr ist die Lufttemperatur (fast) irrelevant

René Rödiger, 19. Juli 2022, 10:02 Uhr
Die Sonne scheint, es ist heiss – und in vielen Regionen der Schweiz gilt eine erhöhte Waldbrandgefahr. Einen Zusammenhang gibt es jedoch nur bedingt, denn für die Brandgefahr ist die Trockenheit entscheidend, die Temperatur ist (fast) egal.
Waldbrand in Griechenland: Schuld war ziemlich sicher der Mensch. (Bild vom 16. Juli 2022)
© Imago/Archivbild

Sogar offizielle Stellen wissen es manchmal offenbar nicht besser. Da heisst es dann in den Mitteilungen: «Aufgrund der Hitze und der Trockenheit gilt eine höhere Waldbrandgefahr.» Das stimmt nur in Bezug auf die Trockenheit. Wo es trocken ist, kann es brennen. Kennen wir ja alle, wenn wir Brennholz für den Grill oder so sammeln.

Das Grill-Beispiel sollte uns auch klar machen, dass die Lufttemperatur beim Feuern egal ist. Trockenes Holz brennt auch im Winter. Damit Hitze einen Brand auslösen kann, braucht es bei Holz rund 300 Grad, Stroh oder trockenes Gras kann bei etwa 250 Grad brennen. Hätten wir eine solche Lufttemperatur, wäre der Waldbrand unser kleinstes Problem.

Für einen Brand braucht es den Menschen

Was es für eine Brandgefahr braucht, ist Trockenheit. Diese haben wir derzeit, es hat länger nicht mehr richtig geregnet. Jetzt könnte man einwenden, dass durch die Hitze die Trockenheit steigt, die Temperatur also doch einen Einfluss auf die Brandgefahr hat. Das stimmt teilweise sogar. Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit speichern, der Boden wird trockener. Aber entzündet wird durch die Luft gar nichts.

Wo wir bereits beim nächsten Punkt sind: Jemand muss das trockene Holz oder Gras auch erst mal anzünden. Wenn es nicht die Lufttemperatur ist (was sie ja eben nicht schafft), braucht es dazu den Menschen. Eine Zigi weggeworfen oder die Glut nach dem Grillspass nicht komplett gelöscht – und schon sind die nötigen Temperaturen erreicht.

Scherben lösen kein Feuer aus

Doch wie ist es mit Scherben in der Natur? Das wird ja auch häufig als Brandursache erwähnt. Nur ist das praktisch unmöglich. Für den sogenannten «Brennglaseffekt» müssten zu viele Faktoren perfekt stimmen. Nicht mal unter Laborbedingungen konnte mit verschiedenen Scherben ein Wiesenbrand herbeigeführt werden. Das gilt auch für Wassertropfen, die verdunsten viel zu schnell, als dass sie irgendeinen solchen Effekt hervorrufen könnten. Die Faktcheck-Plattform «Mimikama» hat hier eine ausführliche Erklärung dazu geschrieben.

Selten können Brände durch Blitze ausgelöst werden, aber eben: In der Regel ist der Mensch und sein Fehlverhalten die Ursache für Wald-, Wiesen- und Buschbrände.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 19. Juli 2022 05:59
aktualisiert: 19. Juli 2022 10:02
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