«Füttern hilft den Wildtieren nicht»

Stefanie Rohner, 14. Dezember 2018, 07:45 Uhr
Im Kanton Graubünden ist es verboten, Wildtiere zu füttern.
Im Kanton Graubünden ist es verboten, Wildtiere zu füttern.
© Symbolbild: iStock
Wildtiere brauchen Ruhe, vor allem im Winter, wenn sie weniger Nahrung zur Verfügung haben. Sie zu füttern ist aber falsch. Das sagt «Der Grüne Tisch Graubünden», der aus sechs Verbänden und fünf kantonalen Amtsstellen besteht.

Der vergangene Winter war streng. Das hat die Leute dazu bewogen, Wildtiere vermehrt zu füttern und das Fütterungsverbot wurde scharf kritisiert. Doch der «Grüne Tisch» betonte schon damals, Füttern schade den Tieren mehr, als das es helfe. «Die Emotionen gingen hoch deswegen. Im milden Winter ein Jahr davor, war das weniger der Fall», sagt Jacqueline von Arx, Geschäftsführerin von Pro Natura Graubünden.

Keine grossflächige Hilfe

Das kantonale Winter-Fütterungsverbot solle respektiert und Störungen von Tieren in ihren Winterlebensräumen möglichst unterlassen werden. So könne das Wild nach seinen natürlichen Überlebensstrategien überwintern, heisst es in der Mitteilung vom «Grünen Tisch».

«Wir verstehen, dass Menschen den Tieren helfen wollen, aber Fütterungen sind keine grossflächige Hilfe bei viel Schnee und grosser Kälte. Das Verbot ist aus wildbiologischer Sicht das einzig sinnvolle Vorgehen», sagt Adrian Arquint, Vorsteher des Amts für Jagd und Fischerei.

Bussen sind möglich

Der Kanton Graubünden setzt bei der Umsetzung des Verbots zuerst auf Aufklärung und praktische Hilfe, so Arquint. «Wo wir Futterangebote sehen, sprechen wir mit den Leuten und erklären ihnen die Gründe für das Fütterungsverbot.» Wer Wildtiere danach bewusst weiter füttere, müsse mit Massnahmen rechnen, die bis zu einer Busse gehen könnten, so Arquint.

Verkehr als Gefahr

Gefährlich seien die Futterangebote durch Menschen aus mehreren Gründen. Einerseits treibe es die Wildtiere jährlich zu Hunderten in die Nähe von Strassen, wo sie dem Verkehr zum Opfer fallen, andererseits kämen sie dadurch in den Stress.

«Wenn mehrere Rehe oder Hirsche sich auf den Weg zu dieser Futterstelle machen, sind diejenigen, die fit sind, schneller. Die geschwächten Tiere nehmen den Weg auch auf sich, gehen aber leer aus. Dieser Aufwand ist gravierend und man kann davon ausgehen, das dadurch mehr Tiere sterben», sagt von Arx.

Die Wildtiere in Graubünden seien gut für den bevorstehenden Winter gerüstet und können sich gut auf das knappe Nahrungsangebot und die Kälte einstellen. «Das allerdings nur, wenn sie ihre Ruhe haben und nicht von uns Menschen gestört werden», sagt von Arx.

Jacqueline von Arx, Geschäftsführerin Pro Natura Graubünden. Bild: zVg
Jacqueline von Arx, Geschäftsführerin Pro Natura Graubünden. Bild: zVg

Nicht in den Wald gehen

Hirsche und Rehe stellen im Winter ihre Verdauung um, senken Stoffwechsel, Puls und Körpertemperatur und kommen so mit sehr wenig Futter aus. «Deswegen müssen sie die Energie gut einteilen. Das können sie aber nicht, wenn sie gestört werden und dadurch aufgeschreckt werden», sagt von Arx.

Wolle man den Tieren einen Gefallen tun, solle man nicht in den Wald gehen, schon gar nicht mit dem Hund. «Schneeschuhläufer sollten auf die markierten Routen gehen und nicht mitten durch den Wald. Das ist inzwischen aber schon viel besser geworden», sagt von Arx. Früher seien Schneeschuhläufer teils kreuz und quer unterwegs gewesen. Durch Informationen und Angebote in den Schneesportgebieten, habe sich das massiv beruhigt.

Plastik im Bauch

Seit die Kampagne «Ruhe statt Fütterung» 2016 startete, sei schon vieles passiert. Die Landwirte haben schnell umgesetzt, was der «Grüne Tisch» empfohlen hat. Siloballen wurden abgesichert, damit die Hirsche sich dort nicht mehr bedienen können.

«Gerade bei Siloballen sind wir froh, dass das umgesetzt wurde. Die Wildtiere haben starke Blähungen, wenn sie von den Siloballen fressen. Ausserdem mussten auch schon Tiere erlegt werden, weil sie Plastik im Bauch hatten. Das sind dann traurige Bilder», sagt von Arx.

Landwirtschaft ist sicherer

Die Landwirtschaft sei inzwischen «wildtiersicher», heisst es in der Mitteilung. Nun gehe es darum, bei den Gemeinden und Betreibern von Grünabfall-Sammelstellen aufzuklären. Dort sei es nötig, die Sammelstellen durch hohe Zäune zu sichern, da Grünabfall für die Tiere attraktiv sei.

Auch Gartenabfälle und und Komposthaufen von Privatpersonen sollten abgedeckt werden - denn auch da bedienen sich die Tiere gerne.

Stefanie Rohner
Quelle: str
veröffentlicht: 14. Dezember 2018 07:45
aktualisiert: 14. Dezember 2018 07:45