Ukraine

Glarner Unterkünfte für Ukraine-Flüchtlinge sollen Tageslicht haben

30. März 2022, 12:50 Uhr
Der Kanton Glarus rechnet bis Ende Juni mit bis zu 300 Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine. Der Sonderstab Asyl will die Hälfte von ihnen privat unterbringen, die andere Hälfte in Kollektivunterkünften.
Flüchtlinge aus der Ukraine in ihrer Unterkunft in einem ehemaligen Altersheim in Kirchberg SG. Auch der Kanton Glarus will Kriegsflüchtlinge in oberirdischen Gruppenunterkünften unterbringen. (Archivbild)
© KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

Der Kanton wolle es möglichst vermeiden, die Flüchtlinge in unterirdischen Zivilschutzunterkünften unterzubringen, erklärte Andreas Zehnder, Leiter der Hauptabteilung Soziales, am Mittwoch in Glarus vor den Medien. Bei der Mehrheit der Schutzsuchenden handle es sich um Frauen und Kinder. Zudem hätten viele im Krieg bereits in Kellern gehaust.

Der Kanton will deshalb zusätzliche Wohnräume mieten. «Wir suchen nach wie vor Unterkünfte», sagte Zehnder. Gefragt seien vor allem grössere Objekte für 30 bis 60 Personen.

Einzelwohnungen kämmen dann in Frage, wenn sie eine gewisse Nähe zueinander haben. Nur dann könne die Betreuung der untergebrachten Personen gehandhabt werden können, sagte der Leiter Soziales. «Mit Einzelwohnungen versuchen wir deshalb Cluster zu bilden.»

Bei der Schweizerischen Flüchtlingshilfe, welche die Unterbringung bei Privatpersonen koordiniert, haben sich bisher 136 potenzielle Glarner Gastfamilien gemeldet. Sollten alle Stricke reissen, bleibt die Unterbringung in einer Zivilschutzanlage aber für den Kanton eine Option. Die Hauptabteilung Zivilschutz und Militär trifft die notwendigen Vorbereitungen.

Bisher wurden dem Glarnerland vom Bund 22 aus der Ukraine geflüchtete Personen in Kollektivunterkünfte zugewiesen. Dazu kommen 22 privat untergebrachte Personen. Es gebe aber wahrscheinlich eine Dunkelziffer, sagte Frau Landammann Marianne Lienhard (SVP), der die Leitung des Asyl-Sonderstabs obliegt. Früher oder später würden sich aber sicher auch diese Menschen registrieren lassen.

Bis zu 100 neue Schulkinder erwartet

Neben der Unterbringung ist der Schulunterricht für die ukrainischen Kinder eine Herausforderung. Bis jetzt wurden zwar nur sechs Kinder eingeschult. Da aber ein Drittel der Flüchtlinge vor dem russischen Angriffskrieg Kinder sind, dürften es bis Ende Juni bis zu 100 werden.

Wenn sich die schulpflichtigen Ukrainerinnen und Ukrainer gut über den ganzen Kanton verteilen, will sie die Volksschule in regulären Klassen unterrichten, wie Andrea Glarner, Leiterin der Hauptabteilung Volksschule und Sport, erklärte. Die Kinder sollen im Glarnerland integriert werden.

Jüngere Kinder kommen deshalb sofort in reguläre Klassen. Ältere Kinder erhalten zwar zuerst Deutschunterricht in einer Intensivklasse, stossen aber ebenfalls möglichst schnell zu ihren einheimischen Altersgenossen.

Die Bildung von rein ukrainischen Klassen will Glarner allerdings nicht gänzlich ausschliessen. Der Fall könnte das sein, wenn es zu einer örtlichen Häufung von Flüchtlingskindern kommt.

Um die Ausbildung der jungen Ukrainerinnen und Ukrainer zu stemmen, sucht die Volksschule personelle Verstärkung; etwa Lehrerinnen und Lehrer, die ihr Pensum aufstocken. Die Schule sei durch Corona nach wie vor sehr belastet. «Aber wir schaffen das irgendwie», sagte Glarner.

Flüchtlingswelle «ausserordentlich herausfordernd»

Aufgrund der grossen Zahl von Flüchtlingen aus der Ukraine stuft der Regierungsrat die Lage im Asylwesen als «besonders» ein. Das Departement Volkswirtschaft und Inneres bewertet die erwartete Flüchtlingswelle als «ausserordentlich herausfordernd».

Es hat deshalb den Sonderstab Asyl Glarus aktiviert. Gegenüber dem bestehenden Konzept sind nun auch die Bereiche Volksschule, Hochbau und Kommunikation darin vertreten.

Quelle: sda
veröffentlicht: 30. März 2022 12:55
aktualisiert: 30. März 2022 12:55
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