Ukraine-Krieg

Glückskette verteidigt zurückhaltenden Einsatz von Spenden

29. Juli 2022, 14:00 Uhr
Der ukrainische Botschafter in Bern behauptet, die Glückskette setzte das gespendete Geld gar nicht ein. Eine Vertreterin der Organisation erklärt, warum die Schweizer Millionen noch nicht ins Kriegsland geflossen sind.

Der Krieg in der Ukraine ruft bei den Menschen in der Schweiz grosse Solidarität hervor: Über 285 Millionen Franken Spenden sind bei der Glückskette bisher eingegangen, wie die Stiftung Zewo im Juli bilanziert. Doch Artem Rybchenko, der ukrainische Botschafter in Bern, übt scharfe Kritik. Das Geld liege bei der Glückskette liegen, wirft er laut «20 Minuten» vor. Ein kleiner Teil sei bisher an NGOs verteilt worden, die Verwendung des Geldes und der konkrete Zweck seien aber nicht bekannt.

Die «SonntagsZeitung» zog in einer Auswertung kürzlich einen ähnlichen Schluss: Von den rund 185 Millionen Franken, die insgesamt der Glückskette, dem Schweizerischen Roten Kreuz, Caritas und Helvetas gespendet wurden, floss erst ein Achtel in die Ukraine. Judith Schuler, Leiterin Kommunikation bei der Glückskette, hat nun zu den Vorwürfen Stellung genommen.

Glückskette habe Verantwortung

Die humanitären Bedürfnisse in der Ukraine seien enorm, sagt Schuler zu CH Media Radionews. «Wir verstehen natürlich, dass die Ukraine alles daran setzt, ihr Volk zu unterstützen.» Seit Mitte Mai sei die Spendenorganisation mit der Botschaft im Austausch, um sie über den Einsatz der Spendengelder zu informieren.

«Wir als Glückskette müssen die Unabhängigkeit der eingesetzten Gelder garantieren", sagt Schuler. Sie habe den Auftrag dafür zu sorgen, dass die Gelder von verlässlichen Partnern vor Ort wirklich für Hilfsprojekte eingesetzt würden. Auch sei die Glückskette der Schweiz schuldig, sicherzustellen, dass die Spenden nicht für militärische Absichten eingesetzt würden. «Wenn später rauskäme, dass wir das Geld einfach so gegeben haben, damit es möglichst schnell verteilt wird, wäre dies nicht im Sinne des Spenders.»

«Gelder nach dem Krieg»

Anfangs finanzierte die Glückskette laut Schuler vor allem eher kleinere Projekte ihrer Schweizer Partnerorganisationen in der Ukraine und Nachbarländern. «Man wusste noch nicht genau, wo die Organisationen arbeiten können.» In der Zwischenzeit habe die Glückskette fast in der ganzen Ukraine aber schon viel grössere Projekte bewilligt.

Den zurückhaltenden Einsatz der Spenden begründet die Mediensprecherin auch mit Blick auf die längerfristige Entwicklung. «Wir müssen sicher sein, dass nach dem Krieg auch noch Gelder vorhanden sind, denn wenn der Krieg vorbei ist, wollen die Leute nicht mehr spenden.»

(bza)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 29. Juli 2022 14:00
aktualisiert: 29. Juli 2022 14:00
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