Schweiz

Guy Parmelin: Der 1. August hat einen «bittersüssen Beigeschmack»

1. August 2020, 19:10 Uhr
Weil alle einen Teil ihrer persönlichen Freiheit zugunsten des Gemeinwohls geopfert hätten, gehe die Schweiz gestärkt aus der Coronakrise hervor, so Bundesrat Guy Parmelin.
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Bundesrat Guy Parmelin appellierte in seiner Rede zum 1. August, dass angesichts der Coronakrise weder übertriebene Vorsicht noch übertriebene Sorglosigkeit gute politische Strategien seien.

«Unser Nationalfeiertag hat dieses Jahr einen bittersüssen Beigeschmack», sagte Bundesrat Guy Parmelin in seiner Rede zum 1. August in Cavaione im Puschlav. Einerseits herrsche Erleichterung darüber, dass wir in der Schweiz allmählich eine Phase hinter uns lassen, die sich massiv auf unsere Lebensweise ausgewirkt habe. Andererseits herrsche Unsicherheit hinsichtlich den weiteren Auswirkungen des Coronavirus.

Gemäss dem Wirtschaftsminister geht die Schweiz gestärkt aus den Ereignissen des Frühjahrs hervor: «Durch unsere Selbstdisziplin ist es uns gelungen, diese Krankheit gemeinsam in Schach zu halten.» Dies, weil alle einen Teil ihrer persönlichen Freiheit zugunsten des Gemeinwohls geopfert hätten.

Parmelin unterstrich allerdings, dass es im Leben keine Garantien gebe und wir nicht alles kontrollieren könnten. Weder übertriebene Vorsicht noch übertriebene Sorglosigkeit bildeten eine gute politische Strategie.

Obwohl uns in den nächsten Monaten noch weitere Schwierigkeiten erwarteten, setzten die meisten weiterhin auf das Vertrauen und den Glauben an die Zukunft, so der Wirtschaftsminister: «Denn ohne Vertrauen ist das gesellschaftliche Leben schlicht und einfach nicht möglich. Ohne Vertrauen wäre auch der Bund, der unserem Land zugrunde liegt, nicht mehr möglich.»

Vor seiner Reise ins Puschlav hatte Parmelin am Samstagmorgen in Chur an ein Brunch auf dem Bauernhof der Familie Salis teilgenommen. Begleitet wurde er von einer Delegation des Schweizer und Bündner Bauernverbandes. Cavaione ist ein Weiler oberhalb von Brusio und die letzte Region, die 1874 der Schweizerischen Eidgenossenschaft angegliedert worden war.

77-jährige Narrenfreiheit

Seine Präsenz sei der Beweis dafür, dass das «vergessene Dorf» vom Bundesrat nicht vergessen worden sei, so Parmelin zu Beginn seiner Ansprache. Er nahm damit Bezug auf einen Artikel von Riccardo Tognina aus dem Jahr 1963 im Bündner Kalender. Dieser beschrieb die späte Einschweizerung und trug den Titel «Das vergessene Dorf».

Nach der Aufhebung der Bündner Herrschaft über das Veltlin im Jahr 1797 begann für Cavaione gleichsam eine 77-jährige Narrenfreiheit. Je nach Vorteil gab man sich einmal als Italien oder der Schweiz zugehörig aus. 1874 nahm der Grosse Rat des Kantons Graubünden Cavaione die damals 103 Bewohner endgültig ins Schweizer Bürgerrecht auf.

(dpo/sda)

Quelle: CH Media
veröffentlicht: 1. August 2020 19:00
aktualisiert: 1. August 2020 19:10