Neophyten

Hat Greenpeace mit Samensäcklein invasive Arten verbreitet?

Urs Hofstetter, 13. Juni 2022, 09:01 Uhr
Die Umweltorganisation Greenpeace hat im Frühling Säcklein mit Blumensamen verschenkt. Ein Kunde schlägt nun auf Twitter Alarm: Das Säcklein beinhalte einen invasiven Neophyten – einen Feind von einheimischen Pflanzen.
Nicht alle Lupinen sind Neophyten wie die hier abgebildete «vielblättrige Lupine».
© Getty Images

Buchweizen, Phacelia, Lein, Sonnenblume, Ringelblume, Lupine, Klee, Sommerwicke, Serradella, Dill, Koriander und Malve. Der Inhalt der Samensäcklein, die man ab April mehrere Wochen lang online und gratis bei Greenpeace bestellen konnte, versprach Vielfalt pur. «Diese reichhaltige, blühende Mischung bietet Bienen und vielen Nützlingen Schutz und Nahrung», heisst es im Werbetext. Und weiter: «Lass deinen Garten oder Balkon erblühen und bereite Mensch und Bienen eine Freude.» Ein solch gluschtiges Angebot konnten sich viele Freunde von Flora und Fauna nicht entgehen lassen.

Doch jetzt droht Ärger: Bei der einen Pflanze im Säcklein handle es sich um eine vielblättrige Lupine, «eine Pflanze der schwarzen Liste, ein invasiver Neophyt!», behauptet Bauer Bruno auf Twitter, und schiebt nach: «Säg mol #Greenpeace schliiifts?!!»

Gute Lupinen, böse Lupinen

ArgoviaToday wills genau wissen und fragt beim landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg nach. Thomas Hufschmid, zuständig für den Pflanzenschutz, bestätigt: «Wenn es sich tatsächlich um die vielblättrige Lupine handelt, ist es tatsächlich ein invasiver Neophyt, der auf der Schwarzen Liste von Info Flora steht.» Aber es gebe mehrere andere Lupinen-Arten, welche für die einheimischen Pflanzen unbedenklich sind, so Hufschmid. «Zum Beispiel die schmalblättrige, die weisse oder die blaue Lupine.» Diese würden seit einigen Jahren in der Schweiz für die Tierfutter-Industrie gezüchtet. «Die Lupine gilt als die Pflanze, die vom Eiweissgehalt her der Sojabohne am nächsten kommt», erklärt der Pflanzenschutzbeauftragte von der Liebegg. Das Ziel sei nämlich, dass Lupinen dereinst Soja als Eiweissträger für die Tierfütterung ablösen, «weil der Grossimport von Soja aus Südamerika nicht nachhaltig ist».

Greenpeace wehrt sich gegen Vorwurf

Wir konfrontieren Greenpeace Schweiz mit der Anschuldigung von Twitter-User «Bauer Bruno». Auf Anfrage von ArgoviaToday verspricht Mediensprecher Roland Gysin, der Sache auf den Grund zu gehen und kontaktiert den Hersteller der Samensäcklein. Nach einiger Zeit folgt die Entwarnung: «Es handelt sich in der Greenpeace-Mischung nicht um die Lupine, die auf der schwarzen Liste steht», teilt Gysin mit. Bei der Lupine in der Mischung seien Samen einer Lupine enthalten, die nicht invasiv ist – die sogenannte Lupinus angustifolius. Dabei handelt es sich gemäss infoflora.ch zwar ebenfalls um einen Neophyten, im Gegensatz zur vielblättrigen Lupine steht diese aber nicht auf der schwarzen Liste. Ist sie also harmlos? «Ja», bestätigt Thomas Hufschmid vom landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg. Denn die Lupinus angustifolius, also die schmalblättrige Lupine, sei eben eine dieser Sorten, welche wegen des hohen Proteingehalts für die Tierfutter-Industrie gezüchtet wird.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 13. Juni 2022 07:08
aktualisiert: 13. Juni 2022 09:01
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