Wirtschaft

Historischer Einbruch: BIP ging im zweiten Quartal so stark zurück wie nie seit 1980

28. September 2020, 10:25 Uhr
Die chemisch-pharmazeutische Industrie konnte ihre Wertschöpfung steigern und wirkte damit stabilisierend auf das verarbeitende Gewerbe. (Symbolbild)
© Keystone
Die Summe der in der Schweiz produzierten Waren und Dienstleistungen sank im zweiten Quartal um 7,2 Prozent. Seit Erhebung der vierteljährlichen Zahlen hat es einen solchen Einbruch noch nie gegeben.

(wap) Gemäss vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) und dem Bundesamt für Statistik (BFS) neu berechneten Daten ist das Bruttoinlandprodukt (BIP) im zweiten Quartal des Jahres um 7,3 Prozent gesunken. Dies meldete das Seco am Montag. Es handle sich um den grössten gemessenen Rückgang seit Beginn der Erhebung der vierteljährlichen Daten im Jahr 1980.

Neben der frühen Lockerung der Schutzmassnahmen durch den Bundesrat habe vor allem die Branchenstruktur der Schweizer Wirtschaft einen noch stärkeren Einbruch verhindert, schreibt das Seco weiter. So habe die chemisch-pharmazeutische Industrie das Ergebnis des verarbeitenden Gewerbes stabilisiert, da sie im zweiten Quartal immerhin 0,3 Prozent Wachstum habe verzeichnen können. Die Einbussen der konjunktursensitiven Industriebranchen habe dies aber nicht zu kompensieren vermocht.

Die Nachfrage ist gemäss den am Montag publizierten Zahlen stark zurückgegangen: Bei den Konsumausgaben meldet das Seco ein Minus von 8,1 Prozent. Die Ausrüstungsinvestitionen gingen um zehn Prozent zurück, die Exporte von Waren um 6,5 Prozent und jene von Dienstleistungen um 15,3 Prozent. Auch gingen die Arbeitsentgelte um 4,9 Prozent zurück, dies habe sich dank der Kurzarbeitsentschädigung aber nicht unmittelbar auf das Einkommen der Arbeitnehmenden ausgewirkt. Diese müssten nur mit Einbussen in der Höhe von 0,3 Prozent rechnen.

Bisher war das Seco von einem Rückgang des BIP von 8,2 Prozent ausgegangen. Grundlage der am Montag präsentierten Zahlen ist eine neue Berechnungsmethode, die im Einklang mit internationalen Empfehlungen steht. Mit der Methode wurden auch die Daten vergangener Jahre neu ausgewertet. Dabei habe sich gezeigt, dass das BIP der Schweiz tendenziell um rund drei Prozent höher ausgefallen sei als mit der alten Methode berechnet, schreibt das BFS in einer ebenfalls am Montag veröffentlichten Mitteilung.

Quelle: CH Media
veröffentlicht: 28. September 2020 10:17
aktualisiert: 28. September 2020 10:25