HIV-Selbsttest steht vor der Zulassung

Angela Mueller, 7. Januar 2018, 10:08 Uhr
KEYSTONE/Gaetan Bally/Archiv
Aids Obwohl sie weniger HIV-Fälle versprechen, sind Schnelltests hierzulande verboten. Nun regt sich Widerstand gegen das Verbot.

Rund 3000 Personen leben gegenwärtig in der Schweiz mit dem HI-Virus, ohne es zu wissen. Sie gefährden damit nicht nur ihre eigene Gesundheit, sondern drohen auch andere Personen mit dem Virus anzustecken. Staaten wie Frankreich, Grossbritannien oder Italien haben die vergangenen Jahre HIV Selbsttests zugelassen, damit Betroffene ihren Status kennen und sich entsprechend schützen können.

Nicht so in der Schweiz: Hierzulande sind Selbsttests weiterhin verboten. Nachdem diese zuverlässiger geworden sind und inzwischen eine nahezu 100-prozentige Treffsicherheit aufweisen, stösst das Verbot zunehmend auf Kritik, schreibt die Ostschweiz am Sonntag. «Es gibt keinen Grund mehr, mit der Zulassung zuzuwarten», sagt etwa Daniel Seiler, Geschäftsführer der Aids-Hilfe Schweiz. Mit den Selbsttests könne die Hemmschwelle für eine Abklärung gesenkt und damit die Übertragung des HI-Virus gestoppt werden.

Eine Chance für die öffentliche Gesundheit sieht auch die eidgenössische Kommission für sexuelle Gesundheit, die den Bund berät. «Der Test könnte dazu beitragen, dass es die Schweiz schafft, das Virus mittelfristig zu eliminieren», sagt der Präsident der Kommission, Marcel Tanner. Die Expertenkommission will im März eine Empfehlung an die Behörden formulieren, wie Tanner sagt.

«Ich gehe davon aus, dass wir grundsätzlich eine Zulassung empfehlen werden.»Das Bundesamt für Gesundheit steht im Kontakt mit dem französischen Hersteller eines Selbsttests und prüft derzeit die Voraussetzungen für eine Freigabe. Für eine Zulassung müsste das Gesetz nicht zwingend geändert werden, da der entsprechende Verbotsartikel Ausnahmen vorsieht, falls diese im Interesse der öffentlichen Gesundheit sind. Die Bundesbehörden werden aller Voraussicht nach dieses Jahr über die Zulassung befinden.

Angela Mueller
veröffentlicht: 7. Januar 2018 08:02
aktualisiert: 7. Januar 2018 10:08