Schweiz

Homegate nutzt Wohnungsnot mit Exklusivabos aus

«Das ist unfair»

Homegate nutzt Wohnungsnot mit Exklusivabos aus

· Online seit 26.06.2023, 06:01 Uhr
Ein neues Abo hilft bei der Wohnungssuche: Ab 25 Franken pro Monat bekommen Suchende drei Tage früher Zugriff auf Inserate. Nach Homegate könnte das Angebot bald auf eine weitere Schweizer Plattform kommen.
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Homegate bietet seit April ein Abo an. Mit dem «Mieterplus»-Angebot können Wohnungssuchende die Vermietenden drei Tage, also 72 Stunden vor den weiteren Usern, kontaktieren. Das bringt anderen Personen einen Nachteil, wenn sie das Abo nicht bezahlen wollen.

Bei einer Laufzeit von drei Monaten kostet ein «Mieterplus»-Abo monatlich 39.95 Franken. Das Jahresabo kostet insgesamt 300 Franken, also 25 Franken pro Monat. Obendrauf gibts von Homegate einen gratis Betreibungsauszug.

«Objekte sind nur wenige Stunden online»

Wie ein Zürcher gegenüber SRF sagt, finde er das Angebot unfair. Viele Leute hätten so gar nicht die Möglichkeit, ein Inserat anzusehen. In Städten mit einer hohen Nachfrage oder gar Wohnungsnot seien die Objekte jeweils nur wenige Stunden online.

Dem widerspricht die Swiss Marketplace Group (SMG). Ihr gehören die Plattformen Homegate sowie Immoscout24 an. «Inserate sind in der Regel deutlich länger online als 72 Stunden, auch im Raum Zürich», sagt Mediensprecher Sebastian Sinemus auf Anfrage der Today-Redaktion.

Nichts Positives am Abo von Homegate sieht der Mieterinnen- und Mieterverband. Es sei eine sehr bedenkliche Entwicklung. «Leute mit wenig Einkommen haben noch mehr Schwierigkeiten, überhaupt eine Wohnung zu finden», sagt Vizepräsident Michael Töngi gegenüber SRF.

Bald auch auf Immoscout24?

In der Schweiz gibt es ein solches Angebot derzeit nur auf Homegate. Es könnte aber bald ausgeweitet werden: «Auf Homegate wird derzeit angeschaut, wie sich ‹Mieterplus› entwickelt. Wenn sich das positiv entwickelt, wirds auch auf Immoscout24 kommen», sagt SMG-Mediensprecher Sinemus. Bei Immoscout24 in Deutschland ist das Angebot bereits erhältlich.

Die Immobilienplattform Flatfox denkt nicht über ein ähnliches Angebot nach. Man wolle die Nachmietersuche, insbesondere für Privatpersonen, so einfach wie möglich gestalten, sagt Chief Product Officer Julia Bitschnau gegenüber der Today-Redaktion. «Wir unterstützen die Immobilienbewirtschafter, neue Mietobjekte möglichst rasch allen Suchenden mit den gleichen Chancen zur Verfügung zu stellen.»

Flatfox-Inserate seien manchmal nur wenige Tage online, manchmal auch einige Wochen. Das variiere von Region zu Region, so Bitschnau.

Extremer Zeitdruck

Ein Beispiel aus Zürich zeigt, dass Zeitdruck bei Nutzerinnen und Nutzern eine grosse Rolle spielt. Die 28-jährige Carla hatte Mühe mit der Wohnungssuche und beschreibt das ständige Abchecken von verfügbaren Wohnungen als «Vollzeit-Job».

Auch sie installierte eine Art Bezahlabo, weil sie sich Vorteile dadurch erhoffte. In der Stadt Zürich gibt es ein Angebot von Immomailing: Ein Newsletter, der Inhalte von verschiedenen Plattformen kombiniert. Für eine einmalige Gebühr von 49 Franken war sie dabei. Die Zufriedenheit von Carla hält sich in Grenzen. «Es ist sehr wichtig, schnell und direkt nach Erhalt der E-Mail zu antworten, damit man eher eine Antwort erhält.»

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Ohne schnelle Antwort gehe man das Risiko ein, dass die Anzeige gelöscht wird oder es zu spät dafür ist, dass der Inserat-Schalter die Nachricht überhaupt sieht. «Auch auf Mail-Benachrichtigungen von Flatfox habe ich versucht, innert zehn Minuten zu reagieren. Aber die Anzeige war nicht mehr verfügbar», sagt Carla.

Dementsprechend würden kostenpflichtige Abos helfen, den Zugang zu Wohnungsangeboten zu erweitern, sagt Carla. Doch der Zeitdruck verschwindet auch da nicht.

veröffentlicht: 26. Juni 2023 06:01
aktualisiert: 26. Juni 2023 06:01
Quelle: Today-Zentralredaktion

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