«Ich konnte mich nicht mehr bewegen»

Krisztina Scherrer, 8. Januar 2019, 17:16 Uhr
Oliver Carson wurde von einem Schneebrett erfasst.
© Oliver Carson (Bild: zVg)
Es waren Horrorstunden für einen Skifahrer in Vorarlberg: Er verirrte sich, wurde von einem Schneebrett erfasst und musste die Nacht im Freien verbringen. Seine Geschichte ging glimpflich aus. So ist es nicht immer. Und die Lawinengefahr wird sich in den kommenden Tagen weiter verschärfen.

Der 45-jähriger Oliver Carson aus Deutschland ist am Sonntag im Skigebiet Laterns/Gapfohl in Vorarlberg von einem Schneebrett verschüttet worden. Der Mann war alleine auf einer gesperrten Piste talwärts unterwegs. Am Ende des Hanges übersah er die Abzweigung zur Piste und fuhr in das Lesetobel ein. «Am Grund des Tobels war ein Bach. Und dort brach ich durch den Neuschnee bis zur Hüfte ein», sagt Carson gegenüber der VN.

Schneebrett verschüttet Carson

Eine missliche Situation, doch: «Das Schlimmste waren die Hänge über mir, die jeden Augenblick losbrechen konnten», sagt er. Einige Sekunden später löste sich ein Schneebrett und verschüttete den Skifahrer bis zum Hals.

Notlager unter Tanne

«Ich war wie einzementiert und konnte die Skier nicht mehr bewegen. Aber es gelang mir, die Bindung zu lösen und mich nach einer Viertelstunde schliesslich aus dem Schnee zu befreien», sagt Carson gegenüber der VN. Weil er sein Handy nicht dabei hatte, konnte er keine Hilfe holen. Wegen der Schneemenge und der einbrechenden Dunkelheit, richtete er sich unter einer Tanne ein Notlager ein und verbrachte dort die Nacht. «Ich wusste, dass ich die Nacht im Freien verbringen musste. Denn weiterlaufen brachte nichts mehr.»

Wie vol.at berichtet, setzte er am nächsten Morgen seinen Fussmarsch fort und traf auf einen Tourengeher, welcher einen Notruf absetzte. Der 45-Jährige Deutsche wurde dann mit dem Polizeihubschrauber abtransportiert.

Gefahr bleibt hoch

Selten verlaufen Zwischenfälle mit Lawinen so glimpflich. Alleine vergangenes Wochenende gab es in Vorarlberg und im FM1-Land mehrere Tote und Verletzte wegen Lawinen (FM1Today berichtete). Die Gefahr im FM1-Land und im Vorarlberg bleibt diese Woche hoch.

«Abseits der Pisten ist grosse Vorsicht geboten»

In den nächsten Tagen gibt es in den Glarner Alpen und in Nordbünden grosse Mengen Neuschnee, ein halber Meter wird erwartet: «Das führt natürlich zum Anstieg der Lawinengefahr. Morgen und Übermorgen ist abseits der Pisten grosse Vorsicht geboten», sagt Frank Techel von der Lawinenwarnung des WSL Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos.

Wenn es viel schneit und dazu ein starker Wind bläst - so wie es in den nächsten zwei Tagen der Fall sein wird - entstehen grosse Schneeablagerungen auf der windabgewandten Seite der Berge. «Diese Schneeablagerungen sind am Anfang noch sehr instabil und können teils von alleine als Lawine abrutschen.»

Unerfahrene sollten auf Piste bleiben

Wintersportler sollten in den nächsten Tagen abseits der Pisten vorsichtig und sehr zurückhaltend unterwegs sein. «Ganz wichtig ist: Wer keine Erfahrung damit hat, die Lawinengefahr einzuschätzen, bleibt besser auf den geöffneten Pisten», sagt Techel.

«Verlassen sie die Piste nicht»

Auch in Vorarlberg besteht oberhalb der Waldgrenzen erhebliche Lawinengefahr. Es sind Selbstauslösungen von Lockerschnee- und Schneebrettlawinen möglich. Wie der Lagebericht der Landeswarnzentrale Vorarlberg schreibt, ist die Auslösung einer Lawine bereits mit geringer Belastung möglich. Zum Beispiel durch einzelne Wintersportler. Auch sie empfehlen den unerfahrenen Sportlern die gesicherte Piste nicht zu verlassen. Der Vorarlberger Landeshauptmann fühlte sich gar veranlasst die Bevölkerung persönlich per Videobotschaft zu warnen, die Pisten nicht zu verlassen:

Videobotschaft

Liebe Freunde, in den nächsten Tagen werden große Mengen von Neuschnee in #Vorarlberg erwartet. Das heißt, die Gefahrenstufe wird angehoben werden - vielleicht sogar auf Stufe 5. Ich habe eine große Bitte:

Gepostet von Markus Wallner am Dienstag, 8. Januar 2019

«Die Gefahrenstufe wird angehoben werden, vielleicht sogar auf die höchste Stufe 5», sagt Markus Wallner. «Bitte gehen sie nicht in den freie Skiraum. Es ist gefährlich.»

Krisztina Scherrer
veröffentlicht: 8. Januar 2019 16:33
aktualisiert: 8. Januar 2019 17:16