«Ideen der Designer spüren»

Laurien Gschwend, 2. November 2016, 11:23 Uhr
Entgegen des Massenkonsums setzt die «Designgut» zum siebten Mal auf nachhaltiges Design aus der Schweiz. Nadia Francioso zeigt an der Winterthurer Messe ihre alltagstauglichen Produkte aus St.Galler Stickerei.

«Heute gibt es immer mehr Labels und Konsumenten, die das Schöne mit dem Lokalen verbinden und fördern», heisst es in einer Mitteilung der «Designgut». An der Messe, die an diesem Wochenende in Winterthur stattfindet, finden die Besucher besondere Designstücke, die nachhaltig hergestellt werden. «Wir liefern quasi ein Gegenthema zum Massenkonsum», erklärt Medienverantwortliche Katrin Ambühl das Konzept.

Designer aus der Ostschweiz abholen

Mit der Messe wolle man die Schweiz als Designstandort stärken. «Es gibt bei uns unheimlich viele Kreativschaffende», sagt Ambühl. Man habe bewusst den Standort Winterthur gewählt, da in der Zürcher Stadt eine solche Plattform gefehlt habe, und um Designer aus Winterthur und der Ostschweiz abzuholen.

Vom Laufsteg in den Alltag

Eine Ostschweizerin, die an der «Designgut» ihre besonderen Werke zeigt, ist Nadia Francioso aus St.Gallen. Als die 42-Jährige im Jahr 2009 eine Diplomarbeit im Bereich Marketing-Kommunikation schreiben musste, entstand ihre Geschäftsidee. Ihr Bruder arbeitet seit vielen Jahren als Kollektionsverkäufer bei Bischoff Textil, dessen Frau als Textildesignerin. «Die wunderschöne Stickerei, die das Traditionsunternehmen fabriziert, wird weltweit auf den Laufstegen getragen», so Francioso, «da dachte ich mir, es wäre schön, die Stoffe alltagstauglich zu machen».

Nadia Francioso an ihrer Nähmaschine. © zvg

Design für «normale Menschen»

So kreierte die St.Gallerin, die heute in Zürich lebt, «Prêt Pour Moi». Die Philosophie hinter dem Namen: «Die Kundinnen sollen sich mit meinen Designstücken etwas Gutes tun.» Übersetzt heisst das Label «bereit für mich» - also hochwertiges Design, das für «normale Menschen» brauchbar ist. Auch «Prêt-à-Porter» schwingt im Namen des Start-ups mit, was «bereit, anzuziehen» bedeutet.

«Habe ganz viele neue Ideen»

Nadia Francioso hätte nicht damit gerechnet, einmal unter die Designer zu gehen. Nach der Maturität zog sie nach Bern, um Psychologie zu studieren. Mehrere Jahre arbeitete sie in der Kommunikation, bis sie 2011 ihr Label gründete und sich zwei Jahre später selbständig machte. «Ich habe ganz viele neue Ideen, darf aber nur langsam vorwärts machen, da ich alleine bin.»

«Prêt Pour Moi»-Taschen aus St.Galler Stickerei.
© «Prêt Pour Moi»-Taschen aus St.Galler Stickerei. © zvg

Das erste Produkt, das die Wahlzürcherin gestaltete, war eine «Pochette Intime» - quasi eine kleine Tasche in der Tasche für Wertsachen und Schminkzeug. Hinzu kamen grössere Handtaschen und Handyhüllen. «Diese hält man schliesslich viele Male am Tag in der Hand.» Viele, so Francioso, seien der Meinung, die Stoffe könne man nur für besondere Anlässe anziehen. «Dabei lassen sie sich toll im Alltag gebrauchen.» Kaufe man sich ein teures Kleid, könne man dieses nur selten tragen. «Ich designe für Normalsterbliche», so die 42-Jährige.

Neu entdeckt werden an der «Designgut»

Kurz, nachdem Nadia Francioso ihr Label gegründet hatte, habe ihr die «Designgut» geholfen, ihr Start-up bekannt zu machen. Von der diesjährigen Messe erhofft sie sich, den Kontakt mit der bestehenden Kundschaft zu pflegen - «und neu entdeckt zu werden». Nicht nur an Messen, auch in Pop-up-Stores, online und auf persönlicher Basis verkauft die Unternehmerin ihre Designstücke.

Muster und Farben liegen ihr

«Ledertaschen finde ich viel zu schwer», sagt Francioso. Stofftaschen, so die Designerin, seien im täglichen Leben viel praktischer - und dank weltberühmten Stickereien ganz besonders. «Ich möchte ein sinnliches Erlebnis schaffen.» Auch, wenn sie nur aufgrund einer Diplomarbeit auf die kreative Arbeit mit Stoffen gekommen sei, habe sie schon immer gerne über Muster und Farben kommuniziert.

«Sich inspirieren lassen»

Neben «Prêt Pour Moi» sind zwei weitere Ostschweizer Labels an der «Designgut» vertreten: «Aéthérée», eine exklusive Modemarke aus St.Gallen, und Heinz Baumann aus Heerbrugg mit individuellen Massivholzanfertigungen. «Mit seiner ‹Möbelmanufaktur› hat er schon viele Designpreise gewonnen», so Katrin Ambühl von «Designgut». Weiter finden die Besucher Designstücke aus Zürich, Basel und Bern. «Dabei ist beispielsweise ‹Jungle Folk›, ein junges Zürcher Label für nachhaltige Mode», ergänzt die Sprecherin. «Wir hoffen, dass die Besucher die Ideen der Designer spüren und sich inspirieren lassen.»

Designliebhaber können vom Donnerstag, 3. November, bis zum Sonntag, 6. November, Produkte von Schweizer Kreativen kennenlernen. Die «Designgut» öffnet an zwei Standorten ihre Tore: Im Casinotheater und im Gewerbemuseum in Winterthur. Zusätzlich können Interessierte die Designstadt Winterthur per Stadtkarte oder Führung erkunden. Der Eintritt kostet 18 Franken (regulärer Preis) beziehungsweise 13 Franken für Studenten.
Laurien Gschwend
veröffentlicht: 2. November 2016 11:23
aktualisiert: 2. November 2016 11:23