Inflation, Corona, Ukraine

Immer mehr Schweizer Studierende brauchen Hilfe

11. Juni 2022, 11:50 Uhr
Die hiesigen Unis schlagen Alarm. Noch nie haben so viele Studierende psychologische Hilfe in Anspruch genommen. Die Nachfrage nach Beratungen hat sich verdoppelt.
Die Sorgen der Schweizer Studierende wachsen immer mehr. Noch nie verzeichneten Universitäten so viele Studierende, die nach psychischer Hilfe fragen. (Symbolbild)
© Imago

Die Corona-Krise, die drohende Inflation und auch der Ukraine-Krieg setzen den Studierenden in der Schweiz zu. Immer mehr junge Menschen kämpfen mit psychischen Beschwerden, die ein Aufstehen oder gar Weitermachen schier unmöglich machen. Das Studium wird dadurch immer mehr zum Kampf.

Die letzten zwei Jahre haben Spuren hinterlassen

Zwar sind die Coronamassnahmen schon seit Monaten abgeschafft, dennoch sind die Nachwirkungen der Isolation immer noch deutlich spürbar. «Die Studienberatung hatte noch nie so viele Beratungen in den ersten fünf Monaten wie dieses Jahr», erläutert Markus Diem, Leiter der Studienberatung an der Universität Basel, gegenüber «20 Minuten».

Der Trend habe sich auch schon während der Corona-Pandemie gezeigt. Die Nachfrage nach psychologischen Beratungen habe sich verdoppelt, so Diem. «Die gleiche Erfahrung machen alle Schwesterstellen in der Schweiz und in Deutschland, mit denen ich mich austausche.» Auch die beiden Zürcher Hochschulen zeigen Ähnliches. Von 2020 auf 2021 kamen fast zwölf Prozent mehr Studierende auf das Angebot einer Beratung zürück, wie «20 Minuten» weiter berichtet.

Woran kann das liegen? 

«Der Hauptgrund ist Corona. Die Studierenden mussten sich ihre Struktur plötzlich selbst aufbauen, selbst einteilen, wann sie wie viel machen. Das klappt nicht bei allen und dann steigt der Druck», so Diem. Vor allem der Austausch mit anderen Studierenden fehle und vielen falle es auch schwer, alleine eine Struktur und einen Rhythmus zu finden. «Wir haben Bachelor-Studenten, die kurz vor Corona ihr Studium begonnen haben, noch nie am Campus waren und ihre Mitstudierenden nicht kennen. Sie fühlen sich alleine und das kann sich negativ auf die Psyche auswirken.»

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist Long Covid, welches sich ebenfalls enorm auf die Psyche auswirken kann. Die Energie fehlt und man ist dauererschöpft. Hinzu kommt der Ukraine-Krieg. «Die Ereignisse stellen die Weltordnung und die Ordnung in Europa fundamental infrage», fügt der Leiter der Studienberatung abschliessend an. «Man weiss nicht, wie es weitergeht. Dazu kommt die Inflation, alles wird teurer. Das betrifft die Studierenden ebenfalls.» Die Sorgen wachsen in den Köpfen zu einer unbekannten Grösse an, bis sie nicht mehr alleine bewältigt werden können.

(red.)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 11. Juni 2022 11:15
aktualisiert: 11. Juni 2022 11:50
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