Forschung

Immunzellen im Bauchfett verjüngen alternden Organismus

6. Juli 2020, 17:01 Uhr
Werden einem alternden Organismus bestimmte Immunzellen zugefügt, kann dies eine verjüngende Wirkung haben. Das haben Forschende der Universität Bern und des Universitätsspitals Insel in Tierversuchen mit Bauchfett herausgefunden.

Die Studie zeigt, dass Bauchfett im Alter zum chronischen Entzündungsherd werden und den Alterungsprozess beschleunigen kann. Grund dafür ist die Verschiebung der Immunzell-Balance. Mit zunehmendem Alter sinkt der Anteil von eosinophilen Zellen im Fettgewebe, während die Anzahl an entzündungsfördernden Makrophagen zunimmt.

Eosinophile sind Zellen des angeborenen Immunsystems und wehren unter anderem Parasiten ab, können aber durch eine überschiessende Reaktion auch zu Atemwegserkrankungen führen.

Die Forschenden konnten zeigen, dass diese Immunzellen in experimentellen Versuchen mit Mäusen eine verjüngende Wirkung auf den alternden Organismus haben. Dazu transferierten sie Eosinophilen aus jungen Tieren in gealterte. Der Transfer unterdrückte Entzündungen nicht nur im Bauchfett, sondern im gesamten Körper. Die transferierten Eosinophilen fanden dabei sogar selektiv den Weg ins Fettgewebe.

Mehr Ausdauer, besseres Immunsystem

Alte Tiere waren nach der eosinophilen Zelltherapie in Ausdauer- und Greifkrafttests deutlich fitter. Zudem hatte die Therapie einen verjüngenden Effekt auf das Immunsystem. Die Forschenden konnten dies von einer verbesserten Impfantwort in alten Tieren ableiten.

Die im Tiermodell beobachtete Verschiebung der Immunzell-Balance im Fettgewebe konnten die Forschenden auch beim Menschen bestätigen. Ziel der Forschung sei nun, die Ergebnisse für die Entwicklung geeigneter Therapieansätze zur Erhaltung von Gesundheit und Vitalität im Menschen zu nutzen, teilten die Universität Bern und die Insel-Gruppe am Montag gemeinsam mit.

Die Studie wurde im Fachjournal «Nature Metabolism» veröffentlicht.

Quelle: sda
veröffentlicht: 6. Juli 2020 17:00
aktualisiert: 6. Juli 2020 17:01