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BAG-Expertenrunde

Impf-Nachfrage schwindet – doch die Experten sind optimistisch

Nico Conzett, 8. Juni 2021, 16:03 Uhr
Linda Nartey und Virginie Masserey präsentieren die aktuelle Impfsituation. Beide zeigten sich sehr optimistisch.
© Keystone
Die Impfkampagne läuft gut, obwohl die Nachfrage langsam sinkt, die Pilotphase mit den Covid-Zertifikaten hat begonnen und die Fallzahlen sind so tief wie seit November nicht mehr. Die gegenwärtige Situation stimmt die Experten des Bundes optimistisch.

Eines vorneweg: die Infektionslage in der Schweiz ist so gut wie seit November nicht mehr. Das sagte Virginie Masserey, die Leiterin Sektion Infektionskontrolle beim BAG, am Point de Presse des Bundes am Dienstagnachmittag. «Seit Freitag sind wir unter 500 Neuinfektionen pro Tag. Das hatten wir zuletzt im vergangenen November. Auch die Positivitätsrate der Tests geht stetig zurück.»

Die Expertinnen und Experten des Bundes zeigen sich zuversichtlich, auch was die Impfkampagne angeht – obwohl die Nachfrage nach den Impfungen langsam schwindet. Linda Nartey, Kantonsärztin in Bern und Vizepräsidentin der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte (VKS), erklärt das damit, dass der grosse Teil der Impfwilligen mittlerweile mindestens einen Termin buchen konnte. Es sei klar, dass die Nachfrage zurückgehe, weil es Personen gibt, die sich noch Gedanken machen, ob und wann sie sich impfen sollen.

Anreize sollen keine Rolle für Impfentscheidung spielen

Auf die Frage, wie die Impfbereitschaft gesteigert werden könne, antwortete Nartey, dass Anreize keine Rolle spielen sollen. «Es ist wichtig, dass die Leute einen informierten Entscheid treffen können. Die Freiwilligkeit muss sichergestellt werden.» Gemäss Virginie Masserey ist es besonders wichtig, den Leuten aufzuzeigen, was für Vorteile ihnen eine Impfung bringt.

Mittlerweile haben 3,4 Millionen Menschen bereits mindestens eine Impfdosis erhalten. Das entspricht ungefähr 40 Prozent der Schweizer Bevölkerung. Zwei Millionen Menschen seien bereits vollständig geimpft. Masserey erklärte auch, dass sich der offizielle Impfschutz von sechs auf neun bis zu zehn Monate verlängern könnte.

Viel Zuversicht beim Bund

Mit den 40 Prozent ist Masserey insofern zufrieden, als dass es den Prognosen entspricht: «Wir haben die Dosen verimpft, die wir zur Verfügung haben. Das entspricht dem, was wir uns erhofft haben.» Sie geht davon aus, dass sich insgesamt 85 Prozent der Schweizer Bevölkerung impfen lassen und äussert ein weiteres Mal Zuversicht: «Ich bin da sehr optimistisch.»

Sobald eine offizielle Impfempfehlung (der Eidgenössischen Kommission für Impffragen) für Jugendliche ab zwölf Jahren vorliegt, werde es zudem auch Termine für diese Bevölkerungsgruppe geben.

Eine Lockerung der Maskenpflicht ist trotz der Fortschritte noch nicht in Aussicht: «Das gehört zu den Punkten, die der Bundesrat überprüfen und entscheiden muss. Zurzeit gilt die Massnahme noch für alle, egal ob geimpft oder nicht», stellte Masserey klar.

Zertifikats-Fahrplan ist ambitioniert

Ein weiteres Thema der Pressekonferenz: Die Covid-Zertifikate. Die Pilotphase ist nun angelaufen, bereits Ende Juni sollen die Zertifikate definitiv zur Verfügung stehen. Nartey räumte ein, dass der Fahrplan ambitioniert sei. Aufgrund der guten Zusammenarbeit zwischen den Kantonen und dem Bund, glaubt sie aber an die Umsetzbarkeit dieses Plans.

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Quelle: CH Media Video Unit

Masserey betonte, dass das Zertifikat nicht einen Freipass darstelle, um überall und zu jeder Zeit zu reisen. Wer seine Sommerferien plant, muss sich selbst über die Einreisebestimmungen in der anvisierten Feriendestination informieren.

Genesene können ab nächster Woche Covid-Zertifikat beziehen

Für Fragezeichen sorgt, dass die Ausstellung der Zertifikate den Kantonen überlassen ist und damit unterschiedlich gehandhabt wird. Dazu nimmt Philippe Voirol vom Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) Stellung: «Diese Entscheidung wurde in der Schweiz gefällt. Ich finde es berechtigt, dass die Kantone diese Kampagnen selber lancieren wollen. 22 von 26 Kantonen verwenden aber auch dieselbe Lösung.»

Bei genesenen Personen gebe es zudem gar keine Unterschiede in den einzelnen Kantonen: Diese könnten bereits ab nächster Woche ein Covid-Zertifikat beziehen, wenn sie die Voraussetzungen erfüllen, so Voirol.

Wie oft die dazugehörige Zertifikat-App bereits heruntergeladen wurde, kommunizierte Voirol noch nicht. Diese steht auch erst seit gestern zur Verfügung.

Nico Conzett
Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 8. Juni 2021 15:42
aktualisiert: 8. Juni 2021 16:03