Schweiz

Je nach Gemeinde machst du mit einer Solaranlage Minus

«Unfaire» Vergütung

Je nach Gemeinde machst du mit einer Solaranlage Minus

02.02.2023, 10:53 Uhr
· Online seit 02.02.2023, 09:58 Uhr
Schweizer Stromnetzbetreiber bremsen den Solarausbau, weil sie zu wenig für eingespeiste Solarenergie bezahlen. Eine Studie zeigt die massiven Unterschiede. Ohne ein Umdenken der Betreiber könnte die Schweiz ihre Klimaziele verfehlen.
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Wenn die Schweiz ihre Klimaziele erreichen will, muss die Stromerzeugung aus Sonnenenergie «massiv» steigen. Photovoltaikanlagen – also Solaranlagen, die Strom erzeugen – auf Ein- und Mehrfamilienhäuser spielen dabei eine grosse Rolle. Zu diesem Ergebnis kam eine vom Bund in Auftrag gegebene Studie der ETH Zürich und der Universität Bern.

In der Schweiz müsse sich etwas ändern, findet Co-Studienautor und ETH-Professor Tobias Schmidt: «Es ist weder fair noch verständlich, warum die Profitabilität von Solaranlagen so stark regional schwankt.» Gleicher Meinung ist auch Co-Autorin Isabelle Stadelmann der Uni Bern: «Die ausgeprägten föderalistischen Strukturen führen im Falle der Photovoltaik dazu, dass eine Mehrheit der Kantone deren Ausbau zu wenig aktiv fördert.»

Wenige Kilometer entfernt – doppelte Rendite

Neben den Kantonen gibt es auch bei den Städten grosse Unterschiede. Dies macht ein Vergleich von zwei Zürcher Nachbargemeinden deutlich: Eine 16-Kilowatt-Anlage in Rümlang würde 10 Prozent Rendite bringen, das entspricht 22'000 Franken. In Kloten brächte die gleiche Anlage nur 7000 Franken Rendite – 5,5 Prozent. Weil die Vergütung in Kloten niedriger ist, wäre dort eine kleinere Anlage profitabler.

Einen grossen Teil des Solar-Potentials der Schweiz, 42 Prozent, machen Hausdächer aus. Doch die Investition in eine Photovoltaikanlage lohnt sich nicht in jeder Schweizer Region, die finanzielle Ausbeute ist je nach Gemeinde höher oder tiefer und kann sogar ins Minus gehen.

Ab 3 Prozent lohnt sich ein Umstieg

Die Studie untersuchte 2067 Städte und Gemeinden. In nur knapp der Hälfte lohnt es sich für Besitzerinnen oder Besitzer eines Einfamilienhauses von einer Gasheizung auf eine Solaranlage umzusteigen.

Der Umstieg gilt demnach als lohnenswert, wenn der Gewinn über eine Lebensdauer von 30 Jahren über drei Prozent ist. Darin enthalten wären die Anschaffungs- und Betriebskosten, den Steuersatz sowie das Geld, das die Behörden zurückzahlen, wenn das Geld wieder ins Netz gespeist wird. Ebenfalls einberechnet ist die Stromersparnis durch die Solaranlage.

Steuerfreie Solaranlagen und Preiskorrekturen

Hausbesitzerinnen und -besitzer bezahlten 2022 zwischen 12 und 34 Rappen für eine Kilowattstunde Strom. Für die gleiche Menge selbst erzeugten Solarstrom erhielten sie zwischen 5 und 22 Rappen. Eine Kilowattstunde entspricht dabei etwa einer Stunde lang Haare föhnen oder sieben Stunden Fernsehen.

Die Studienautorinnen schlagen auch konkrete Lösungen vor: Behörden könnten Solaranlagen beispielsweise von Steuern befreien. Zudem definieren in der Schweiz über 600 Stromnetzbetreiber die Preise für Strom und Vergütungen. Hier wären Preiskorrekturen nötig, um den Ausbau zu fördern.

Hast du weitere Tipps, um Solaranlagen zu fördern? Schreib deine Vorschläge in die Kommentarspalte.

(log)

veröffentlicht: 2. Februar 2023 09:58
aktualisiert: 2. Februar 2023 10:53
Quelle: Today-Zentralredaktion

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