Markenrecht

Jungpolitiker will den «Cervelat» schützen – und modernisieren

21. Oktober 2022, 19:26 Uhr
Anfang Oktober meldete Lukas Paul Spichiger von der Juso die Begriffe «Cervelat» und «Cervelas» beim Markenregister an. Für die Fleischbranche kommt der Coup überraschend. Was der Jungpolitiker mit der Traditionswurst vorhat, verrät er nur teilweise.
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Gehts jetzt um die Wurst? Juso-Jungpolitiker Lukas Paul Spichiger aus Biberist SO hat diesen Herbst die Begriffe «Cervelat» und «Cervelas» beim Markenregister angemeldet. Die Aktion irritiert die Fleischbranche und auch Ruedi Hadorn, Direktor des Schweizer Fleisch-Fachverbands (SFF): «Wir gehen aktuell davon aus, dass man das so nicht als Marke schützen lassen kann», sagt er. Was genau Spichiger mit dem «Cervelat» vorhat, sei nicht bekannt, schreibt die «Handelszeitung».

Nach der Publikation dieses Beitrags meldete sich Jungpolitiker Spichiger bei der Today-Redaktion. Er habe die Markengesuche nur vorsichtshalber eingereicht, eingetragen sei noch nichts: «Es geht überhaupt nicht darum, die zwei Begriffe der Allgemeinheit wegzunehmen», schreibt Spichgier. Sein Vorhaben: Er möchte den «Cervelat» an einem Imbissstand anbieten und die Schweizer Traditionswurst etwas modern machen. Mehr verrät er zunächst nicht. Spichiger betont zudem, dass er sein Vorhaben unabhängig von seiner Partei, der Juso, durchführe.

Die Wurst gehört der Allgemeinheit

Tatsächlich soll bis anhin noch niemand versucht haben, die Traditionswurst markenrechtlich zu schützen und für sich zu beanspruchen. Für Hadorn ist klar, «Der Begriff ‹Cervelat› ist ein Allgemeingut.» Ausserdem habe der Begriff «Cervelas» als traditionelles Fleischerzeugnis bereits schon länger Eingang in die Gesetzgebung gefunden, führt Hadorn aus.

Die Anträge gelten laut Datenbank des Instituts für Geistiges Eigentum (IGE) als «hängig». Ob sich der Begriff schützen lasse, wird demnach noch geprüft. Im Bezug auf die National-Wurst wurde bisher lediglich die Marke «Königs Cervelas» anerkannt und gehört einem Berner Metzger.

Nur Platz zwei für den Cervelat

Im nationalen Ranking schafft es der Cervelat trotz aller Beliebtheit nur auf den zweiten Platz. Mit 55'000 Tonnen dominieren Bratwürste nach wie vor den Markt. Mit 50'000 Tonnen braucht sich der Cervelat aber nicht zu verstecken.

Kein Cervelat ohne brasilianische Rinder

Viel Tamtam gab es zuletzt vor 15 Jahren um das Thema «Cervelat». Oder besser um die Haut für die Wurst. Damals wurde der Import von brasilianischen Rinderdärmen verboten. Grund dafür war, dass Brasilien 2006 als Risikoland für die Tierseuche BSE galt. Mit dem Verbot der brasilianischen Därmen wurde dem Cervelat gar das Ende prophezeit. Zum Glück für alle Wurst-Liebhaber fand man aber genügend Alternativen.

(roa/log)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 20. Oktober 2022 13:08
aktualisiert: 21. Oktober 2022 19:26