Snowfarming

Kann Schnee von gestern die Skipisten von morgen retten?

· Online seit 03.11.2023, 20:27 Uhr
Schnee aus dem letzten Winter für die neue Skisaison zu verwenden, wird bei Skigebieten eine immer beliebtere Variante. Denn: Snowfarming hilft Skigebieten wie dem Schilthorn, die Pisten bereits am 4. November öffnen. Was steckt dahinter?
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Saas-Fee hat es diese Woche bereits getan, Skigebiete wie das Schilthorn tun es dieses Wochenende: die Wintersaison eröffnen. Jedes Wochenende kommen weitere Schweizer Wintersportorte dazu. Doch der Sommer war lang; der Herbst warm. In der Schweiz wurde dieses Jahr der wärmste September seit Messbeginn verzeichnet. Im Oktober konnte der Temperaturrekord von 2022 – durchschnittliche 10,4 Grad –  nicht ganz geknackt werden. In den ersten 13 Tagen des Monats wurden dennoch an 38 Schweizer Standorten Temperaturrekorde geknackt.

Unter diesen Voraussetzungen dürften sich im November die wenigsten Skigebiete zu 100 Prozent auf genügend natürlichen Schnee verlassen können. Insbesondere für tiefer gelegene Skigebiete stellt der Schneemangel ein riesiges Problem dar. Schreitet der Klimawandel weiter voran, hätte dies fatale bis existenzbedrohende Folgen: Die Fachzeitschrift «Nature Communications» prognostiziert, dass bei einer Klimaerwärmung von 2 Grad Celsius ein Drittel der Schweizer Skigebiete mit einem sehr hohen Schneemangel konfrontiert wäre.

Um den Wintersportbetrieb dennoch sicherstellen zu können, setzen Skigebiete zunehmend auf das sogenannte Snowfarming. Was ist das genau? Und wie umweltverträglich ist es? Wir haben für dich die wichtigsten Fakten zusammengefasst.

Was ist Snowfarming?

Snowfarming ist im Prinzip nichts anderes als Schnee vom Vorjahr, der für die neue Wintersaison verwendet wird. Kunstschnee aus der letzten Saison wird zusammengetragen und über den Sommer mithilfe einer Isolierschicht – beispielsweise Holzschnitzeln oder Sägemehl – in Depots gelagert. Diese Schicht schützt den Schnee vor dem Schmelzen.

Der konservierte Schnee wird dann zu Beginn des Folgewinters für die Präparation von Pisten, Langlaufloipen oder Sprungschanzen verwendet.

Welche Vorteile bietet Snowfarming?

Snowfarming sollte Wintersportgebieten laut WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) einen weitgehend wetterunabhängigen Start in die Wintersaison ermöglichen. Dazu kommt, dass man den konservierten Schnee selbst bei Plus-Temperaturen im zweistelligen Bereich problemlos verteilen und präparieren kann.

Wie und wo wird Snowfarming genützt?

Ursprünglich stammt Snowfarming aus Finnland – dort wird die Technik bereits seit den Achtzigerjahren angewandt. Mittlerweile wird sie aber nicht nur in den skandinavischen Ländern, sondern auch hierzulande sowie in Österreich und Deutschland genutzt. Eine Umfrage des SLF unter rund 100 Skigebietsbetreibenden und Gemeinden im deutschsprachigen Alpenraum sowie in Skandinavien zeigt, dass das Interesse stetig ansteigt.

In der Schweiz führt das SLF in Davos bereits seit 2008 gemeinsam mit der Gemeinde und dem Tourismusverband Feldversuche mit Snowfarming durch.

Mittlerweile ist die Technik in verschiedenen Schweizer Skigebieten gang und gäbe. Auf dem Schilthorn konnten dieses Jahr 100'000 Kubikmeter Schnee nach dem Abdecken der Depots Mitte September zur Präparation gebraucht werden, teilt die Schilthornbahn AG zum Saisonstart mit. Dieses seien rund 10 Prozent mehr als 2022.

Auch auf der Adelboder Tschentenalp wurden die Pisten «mit dem Schnee von gestern» bearbeitet. Wie das funktioniert, siehst du im Video.

Diese Nachteile hat Snowfarming

Für die Basis-Präparation von Skipisten, Langlaufloipen oder Sprungschanzen reicht der durch Snowfarming konservierte Schnee zwar aus – aber nicht für die Präparation von grossen Ski-Alpin-Pisten. Snowfarming kann also Schneekanonen nicht ersetzen, sondern ist lediglich eine Variante, einen gewissen Anteil an altem Kunstschnee für die neue Saison aufzubewahren.

Diese ist mit Kosten verbunden: Das Material für die Isolierschicht muss eingekauft werden; für die Verteilung und Präparation des Schnees sind Maschinen, Energie und Personal nötig. Und die eingesetzten Maschinen hinterlassen wiederum Spuren an Flora und Fauna. Bereits 2011 forderte der WWF in einem Positionspapier, Snowfarming auf ein Minimum zu beschränken und auf die technische Beschneiung von Mooren, Trockenwiesen, Gletschervorfelder oder Gebirgsauen zu verzichten.

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veröffentlicht: 3. November 2023 20:27
aktualisiert: 3. November 2023 20:27
Quelle: Today-Zentralredaktion

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