zu fettig, zu süss, zu salzig

Konsumentenschutz will Werbeverbot für ungesunde Kindersnacks

Lothar Lechner Bazzanella, 4. Juli 2022, 12:11 Uhr
Weil bei Schweizer Detailhändlern ein Grossteil der Nahrungsmittel für Kinder höchst ungesund ist, schlägt der Konsumentenschutz Alarm: Die Werbung für solche Produkte müsse verboten werden. In der Kritik stehen Migros, Coop, Aldi und Lidl.

Eine Marktuntersuchung des Konsumentenschutzes in Schweizer Detailhändlern zeigt: Produkte, welche sich besonders an Kinder richten, bestehen durchschnittlich zu rund einem Drittel aus Zucker. Dafür wurden 344 Stichproben an Snacks, Backwaren, Getränken, Milchprodukten oder Frühstücksflocken gemacht. Von den untersuchten Produkten entsprachen rund 94% Prozent nicht den Anforderungen der Weltgesundheitsorganisation WHO für ausgewogene Lebensmittel, wie es in einer Medienmitteilung heisst. Sie waren zu fettig, zu salzig und vor allem zu süss.

Wie die WHO fordert nun auch der Konsumentenschutz ein Werbeverbot für Produkte dieser Art. Konkret solle nur Werbung für Produkte erlaubt sein, welche den WHO-Richtlinien für ausgewogenen Lebensmittel entsprechen. Ausserdem solle unter anderem ein Nutriscore für alle «Kinderprodukte» obligatorisch sein. Von den untersuchten Produkten würden aktuell 65% der Produkte auf der Skala im orangen oder roten Bereich – also auf dem letzten und vorletzten Platz – liegen.

Damit gefährde die Lebensmittelindustrie die Gesundheit der jüngsten Konsumentinnen und Konsumenten. «Eine wirksame Einschränkung des Kindermarketings ist absolut notwendig», so Sara Stalder, Geschäftsleiterin Konsumentenschutz. «Wenn mit freiwilligen Massnahmen faires Marketing und gesund Produkte nicht erreicht werden, müssen verbindliche Massnahmen her».

Eine Studie der Universität Hamburg hat an Kinder gerichtetes Marketing für ungesunde Lebensmittel in den wichtigen Medien untersucht. Kinder zwischen 3 und 13 Jahren, welche regelmässig Fernsehen und Internet nutzen, sehen pro Tag durchschnittlich 17 Webespots für Lebensmittel. Davon seien 15 sogenannte «Dickmacker», also ungesunde Lebensmittel. Der Schweizer Konsumentenschutz geht davon aus, dass die Zahlen hierzulande ähnlich hoch sind.

Gemäss WHO sind in der Schweiz bereits 23% der 5- bis 9-jährigen Kinder von Übergewicht betroffen. Bei den 10- bis 19-Jährigen sind es 21%. Noch erschreckender sind die Zahlen bei den Erwachsenen: In den europäischen Ländern sind 63% der Männer und 54% der Frauen übergewichtig. Tendenz steigend.

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 4. Juli 2022 12:07
aktualisiert: 4. Juli 2022 12:11
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