Kündigung mit Sturmgewehr

Stefanie Rohner, 12. April 2018, 12:10 Uhr
Mit dem Sturmgewehr 90 wollte ein junger Mann seinen Chef unter Druck setzen.
Mit dem Sturmgewehr 90 wollte ein junger Mann seinen Chef unter Druck setzen.
© (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Was tun, wenn man seinen Lehrvertrag auflösen möchte? Ein Gespräch liegt auf der Hand. Ein junger Mann aus der Region Wil wollte jedoch ein Zeichen setzen und mit dem Sturmgewehr im Lehrbetrieb auftauchen. Der Plan ging nicht auf.

Der Versuch, mit einer Armeewaffe Eindruck im Lehrgeschäft zu machen, ist dem jungen Mann nicht gelungen. Eine Whatsapp-Nachricht hat seinen Plan gestoppt. Der Lernende schrieb seinem Arbeitskollegen im Februar, dass er am Nachmittag mit dem Gewehr im Betrieb auftauchen würde. Er wollte damit Druck beim Chef ausüben, damit dieser den Lehrvertrag auflöst und einen Aufhebungsvertrag unterzeichnet, schreibt die Zürichsee Zeitung.

So packte er sein Sturmgewehr 90 unter die Kofferraumabdeckung seines Autos. Das Magazin war eingesetzt und es befanden sich zwei Patronen darin, die er während seines Militärdienstes geklaut hatte.

Zwischenstopp bei der Polizei

Der 23-Jährige fuhr aber nicht direkt zu seinem Chef in die Autogarage, sondern machte zuerst einen Zwischenstopp auf dem Polizeiposten der Stadt Wil. Er erkundigte sich dort nach seinem Strafregisterauszug. Damit wollte er legal an Munition kommen. Das funktionierte jedoch nicht, der Polizist erklärte ihm, er müsse den Strafregisterauszug per Post bestellen. Dorthin begab er sich schliesslich auch.

Was er nicht wusste: In der Zwischenzeit hatten seine Arbeitskollegen die Polizei alarmiert und von der Ankündigung des Beschuldigten erzählt. Da die Polizei bereits wusste, dass sich der junge Mann auf dem Weg zur Post befand, konnten sie ihn anhalten und ihn daran hindern, zu seinem Chef zu fahren.

Arbeitslos und ohne Sturmgewehr

Der Mann wurde drei Tage in Untersuchungshaft gesetzt, da er weder eine Bewilligung für den Transport des Sturmgewehrs hatte, noch ein militärischer Zweck für diesen Transport vorlag. Nach dem Vorfall ist der 23-Jährige arbeitslos.

Doch er ist mit einem blauen Auge davongekommen: Er muss eine Busse von 1800 Franken sowie Gebühren und Auslagen von 800 Franken bezahlen. Das Verfahren wurde per Strafbefehl - also ohne Gerichtsverfahren - durchgeführt. Ihm wird eine Widerhandlung gegen das Waffengesetz und die Verschleuderung von Armeematerial vorgeworfen.

Er war bereits wegen einer groben Verletzung der Verkehrsregeln vorbestraft. Die festgelegte Probezeit von zwei Jahren ist aber bereits abgelaufen. Der Strafbefehl ist rechtskräftig. Die Armee weiss von dem Vorfall. Das Gewehr wurde dem ehemaligen Durchdiener von der Polizei abgenommen.

(red.)

 

Stefanie Rohner
veröffentlicht: 12. April 2018 12:07
aktualisiert: 12. April 2018 12:10