Um Ernte zu retten

Landwirte kaufen über 300 Tonnen mehr Pestizide

28. November 2022, 13:15 Uhr
Wegen starker Regenfälle breiteten sich Krankheiten auf Feldern dieses Jahr stärker aus. Um die Ernte zu schützen, setzten Bäuerinnen und Bauern mehr Pestizide ein. Der Anstieg betraf vor allem Pestizide der Bio-Landwirtschaft.
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In der Schweiz sind im vergangenen Jahr 2259 Tonnen Pestizide verkauft worden. Das sind 331 Tonnen oder 17 Prozent mehr als im Jahr davor. Grund dafür waren die starken Regenfälle, die die Ausbreitung von Krankheiten etwa bei den Reben, dem Obst und den Kartoffeln förderten.

Um die Ernte zu schützen oder schlechthin zu retten, mussten die Landwirtinnen und Landwirte mehr Behandlungen durchführen, wie das Bundesamt für Landwirtschaft (BWL) am Montag mitteilte.

Der Anstieg betraf vor allem Pestizide, die in der biologischen Landwirtschaft eingesetzt werden können. Gesamthaft wurden 1234 Tonnen solcher biologischer Mittel gekauft. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einer Steigerung von rund einem Drittel .

Die Verkaufsmenge an ökologischen Pestiziden überstieg 2021 diejenige an konventionellen Pestiziden; letztere stagnierte bei etwas mehr als 1000 Tonnen.

Trend zu mehr bio

Das BLW erklärt diese Entwicklung mit einer Änderung der Praxis zu mehr bio. Das ist ein Trend, der sich schon seit mehreren Jahren abzeichnet. Viele Landwirte seien auf Produkte umgestiegen, die in der biologischen Landwirtschaft verwendet würden, sagte eine BWL-Sprecherin der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Konkret stieg der Verkauf von Fungiziden 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 187 Tonnen. Davon machten die zur biologischen Landwirtschaft zugelassenen Produkte Schwefel, Kupfer und Kaliumcarbonat 170 Tonnen aus. Bei den Insektiziden gab es eine Zunahme um 151 Tonnen. Stark zugenommen hat dabei der Verkauf des Insektizids Paraffinöl, das als biologischer Ersatz für Chlorpyrifos gilt, welches 2020 verboten wurde.

Bei den Herbiziden wurden 18 Tonnen weniger verkauft. Der Absatz an Glyphosat ging wie bereits in den Vorjahren weiter zurück, er reduzierte sich um 14 Tonnen auf 105 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr. 2008 waren davon noch 341 Tonnen verkauft worden.

Neue Reduktionsmassnahmen ab 2023

Im Jahr 2021 legte das Parlament das Ziel fest, bis 2027 die mit Pestiziden verbundenen Risiken für Oberflächengewässer, das Grundwasser und naturnahe Lebensräume wie beispielsweise Biotope um 50 Prozent zu verringern. Erste Berechnungen des BWL haben dabei ergeben, dass die ergriffenen Massnahmen «erfreulicherweise» ihre Wirkung zeigen, wie das BWL mitteilte.

So habe etwa das Kontaminationsrisiko im Grundwasser im Vergleich zum Zeitraum von 2012 bis 2015 halbiert werden können, weil der Einsatz von wasserverschmutzenden Produkten reduziert wurde. Auch das Risiko für Oberflächengewässer konnte reduziert werden unter anderem aufgrund von Sanierungen von Waschplätzen für Pestizid-Spritzgeräte. Nicht verändert hat sich jedoch das Risiko für naturnahe Lebensräume. Ab Anfang des kommenden Jahres werden neue Massnahmen zur Reduzierung der Risiken eingeführt.

(sda/log)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 28. November 2022 12:57
aktualisiert: 28. November 2022 13:15