Schweiz

Lastwagenverkehr verlagert sich von der Schweiz nach Österreich

20. Juli 2020, 14:24 Uhr
Der europäische Güterverkehr rollt zusehends über den Brenner – zum Unmut österreichischer Umweltschützer.
© Keystone
Der europäische Güterverkehr rollt zusehends durch Tirol nach Italien. Während der Lastwagenverkehr über die Schweizer Alpenpässe seit 2010 um ein Viertel abgenommen habe, sei er über den Brennerpass um ein Drittel gestiegen, kritisiert der Verkehrsclub Österreich (VCÖ).

Um dem entgegenzuwirken, brauche es in der EU eine Mindestgebühr. Zudem müsse Diesel höher besteuert werden, fordert der Verband in einer Mitteilung vom Montag.

2019 fuhren den Angaben zufolge 2,47 Millionen Lasten- und Sattelzüge über den Brenner - rund drei Mal so viel wie über alle Schweizer Alpenpässe zusammen (0,81 Millionen). Zum Vergleich: 2010 seien auf dem Brenner mit 1,85 Millionen Lkw nicht einmal doppelt so viele gezählt worden wie auf den vier Alpenübergängen Gotthard, San Bernardino, Simplon und Grosser St. Bernhard (1,07 Millionen), so der VCÖ unter Verweis auf Daten der Schweizer Behörden.

Die Route über den Brenner sei günstiger als jene über die Schweiz, betonte der Verkehrsclub. Deshalb sei die Schere zwischen Österreich und der Schweiz in den vergangenen zehn Jahren beim Alpentransit stark auseinandergegangen. Die Schweiz habe eine Reihe von politischen Massnahmen gesetzt, die diese Entwicklung förderte.

Verschiedene Faktoren für Verlagerung

«In der Schweiz wird Diesel, der Treibstoff der Lkw, nicht steuerlich begünstigt», sagte VCÖ-Experte Michael Schwendinger. Zudem würden in der dort 2001 eingeführten Lkw-Maut auch die sogenannten externen Kosten berücksichtigt, etwa Schäden an Umwelt, Gesundheit und Strassen. Im Unterschied zu Österreich gebe es auf den Schweizer Autobahnen auch «de facto keine Toleranz beim Überschreiten von Tempolimits». Zudem führe eine niedrige Lkw-Maut in Italien und Deutschland auch zu mehr Transit-Lkw in Österreich.

Österreich könnte die Belastung durch den Transitverkehr eindämmen - durch das Streichen der Steuerbegünstigung auf Diesel und durch eine engere Toleranzgrenze beim Überschreiten von Geschwindigkeitsbegrenzungen, so die Position des VCÖ.

Parallel dazu wären aber auch EU-weite Massnahmen nötig, denn die Laster legten eine Grossteil ihrer Strecke ausserhalb Österreichs zurück. Der Verkehrsclub fordert statt der derzeit bestehenden Höchstmaut die Einführung einer Lkw-Mindestmaut, die - wie in der Schweiz - auch die durch Abgase und Lärm verursachten Schäden beinhalten soll.

(dpa/rwa)

Quelle: CH Media
veröffentlicht: 20. Juli 2020 13:51
aktualisiert: 20. Juli 2020 14:24