Schwierige Bedingungen

Luftrettung bei Sturmböen – was, wenn der Rettungsheli selbst ins Trudeln gerät?

Cornelia Suter, 22. Januar 2023, 09:28 Uhr
Immer wieder können Rettungshelikopter beobachtet werden, wenn sie unter schweren Wetterbedingungen landen müssen. Doch ab wann wird es gefährlich für Patienten und Crew?
Luftrettung unter schweren Wetterbedingungen sind nicht immer ganz ungefährlich.
© KEYSTONE/ANTHONY ANEX
Anzeige

Wenn es stürmt und schneit im Aargau, kommen auch Rettungskräfte vermehrt zum Einsatz. So beispielsweise Mitte Januar, als uns ein Leserreporter schilderte: «Ich war gerade unterwegs in die Stadt Aarau, als ich einen Rettungshelikopter über dem Kantonsspital kreisen sah. Dieser hatte richtig Mühe zu landen bei diesem Sturm und musste den Landeplatz mehrfach anfliegen, bis es endlich klappte.»

«Sicherheit von Crew und Patient geht vor»

Wir haben deshalb beim Luftrettungsteam der Rega nachgefragt und erfahren, dass die Wetterlage jeweils schon an der Morgensitzung eines der wichtigsten Besprechungsthemen ist: «Da wird beispielsweise abgeklärt, wie die Wetterlage aktuell bei den Zentrumsspitälern ist und ob die Kliniken allenfalls unter Instrumentenbedingungen, ohne Sicht, angeflogen werden müssen», erklärt Corina Zellweger, Mediensprecherin der Rega. Das Allerwichtigste bei einem Einsatz sei jedoch immer die Sicherheit von Crew und Patienten, sagt Zellweger. Deshalb werde das geeignete Rettungsinstrument von der Einsatzzentrale aus aufgeboten: «Wenn eine Alarmierung über die Nummer 1414 eingeht, verschafft sich ein Einsatzleiter oder eine Einsatzleiterin einen Überblick und bietet mit Blick auf alle Rettungsmittel, Wetterbedingungen und anderen Faktoren, die für den Einsatz am besten geeignete Crew auf», erklärt Corina Zellweger. Somit könne es durchaus auch sein, dass für einen Einsatz wetterbedingt die Ambulanz anstelle der Rega aufgeboten wird.

Mehr Flexibilität durch verschiedene Standorte

12'000 Patientinnen und Patienten erhalten jährlich rasche medizinische Hilfe aus der Luft. Dafür stehen die Helikopter der Rega rund um die Uhr im Einsatz und das an verschiedenen Standorten: «Die Verteilung der Luftrettungsmittel auf verschiedene Orte erlaubt kurze Anflugwege und mehr Flexibilität. Kann eine Crew aufgrund von dichtem Nebel beispielsweise nicht starten, so kann womöglich eine andere den Einsatz übernehmen, deren Standort nicht im Nebel liegt», sagt Zellweger.

Mitte Januar konnte ein Rettungshelikopter wegen der starken Sturmböen beim Kantonsspital Aarau kaum landen.

© Rega

60 Wetterstationen und Webkameras aufgebaut

Damit die Crew sich auch während einer Rettung laufend über die meteorologischen Bedingungen informieren kann, hat die Rega schweizweit ein Netz aus rund 60 Wetterstationen und Webkameras aufgebaut. «Daten wie Sichtweite, Art des Niederschlags oder Höhe der Wolkenuntergrenze werden den Piloten so direkt ins Cockpit geliefert», erklärt Zellweger.

Die Zukunft liegt im «Low Flight Network»

Zudem verfolgt die Rega seit Jahren eine Vision der wetterunabhängigen Luftrettung. Gemeinsam mit der Schweizer Luftwaffe und der Flugsicherungsgesellschaft Skyguide arbeitet die Rega an der Etablierung und Inbetriebnahme des Low Flight Network, ein schweizweites Netzwerk aus Instrumentenflugrouten, das Flugplätze, Spitäler und Rega-Basen miteinander verbindet. «Wie auf einer Autobahn fliegt der Helikopter dann mittels Autopilot einer im Flugrechner gespeicherten Flugroute nach. Das ist ein entscheidender Sicherheitsgewinn», sagt Corina Zellweger. Mit dem Ausbau solcher Instrumentenflugrouten könnten Patienten, falls medizinisch notwendig, auch bei widrigen Wetterbedingungen aus der Peripherie in die Zentrumsspitäler geflogen werden. 

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 22. Januar 2023 09:28
aktualisiert: 22. Januar 2023 09:28