WEF in Davos

Lustiges Sprach-Chaos bei Konferenz mit Bundespräsident Cassis

24. Mai 2022, 22:17 Uhr
Ignazio Cassis bittet zu einer Pressekonferenz, bei der auch der ukrainische Premierminister spricht. Dieser muss nach drei Minuten nochmals abbrechen und von vorne beginnen – niemand hatte seine Rede übersetzt.
Bundespräsident Cassis (l.) und der ukrainische Premierminister Denys Shmyhal in Davos.

«Dear Prime Minister, do you hear me?» – Als Bundespräsident Ignazio Cassis seine Pressekonferenz am Dienstagabend im House of Switzerland in Davos beginnt, kann noch niemand ahnen, dass diese für mehrere Schmunzler sorgen würde. Der ukrainische «Prime Minister» Denys Shmyhal wird per Video zugeschaltet, die Verbindung funktioniert einwandfrei. Die Konferenz kann beginnen.

«Wir müssen noch einen Übersetzer holen»

Zuerst noch spricht Cassis, auf Englisch, über den Ukraine-Gipfel, der anfangs Juli in Lugano stattfinden wird, dann ist alsbald Shmyhal an der Reihe. Der ukrainische Premierminister spricht – in seiner Muttersprache. Ins Englische oder Deutsche übersetzen tut niemand, und das fällt den Anwesenden natürlich sofort auf. Sie haben selbst nichts verstanden. Im Hintergrund hört man bereits vereinzelt Stimmen tuscheln.

Es sollten allerdings rund drei Minuten verstreichen, bis in Person von EDA-Kommunikationschef Peter Düggeli schliesslich jemand den Mut findet, Shmyhal auf Englisch zu unterbrechen: «Wir müssen noch jemanden hierhin holen, der für Sie übersetzen kann. Dann werden wir nochmals von vorne starten.» Sogleich wendet er sich an die anwesenden und wohl verdutzten Journalisten im Raum und fragt sie, ob jemand von ihnen nach vorne kommen und übersetzen könne.

Cassis braucht keinen Übersetzer

Im Saal herrscht nun Ratlosigkeit. «Sollte ich jetzt etwa übersetzen?», hört man eine Stimme fragen, während sich Düggeli bei Shmyhal für die Unannehmlichkeiten entschuldigt. Dieser fragt – auf Englisch! – zurück: «Soll ich nochmals von vorne beginnen?» – «Yes, please», sagt Cassis, man habe technische Probleme. Shmyhal startet die Rede nochmals, nun wieder auf Ukrainisch. Und eine weibliche Stimme übersetzt jetzt auf Englisch. Alles nochmals gut gegangen.

Nach dieser Rede stellt sich Cassis dann noch den Fragen der Journalisten vor Ort. Düggeli kommt ihnen entgegen: «Ich erlaube euch, die Fragen in jener Sprache zu stellen, in welcher ihr auch die Antworten braucht.» Die Fragen kommen auf Deutsch, Italienisch und Französisch – Cassis meistert alle Sprachen souverän. An ihm solls an dieser Pressekonferenz nicht gelegen sein.

(mhe)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 24. Mai 2022 20:07
aktualisiert: 24. Mai 2022 22:17
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