Klimawandel

Mehr CO2 ist für das Baumwachstum nicht mehr förderlich

4. August 2022, 14:20 Uhr
Lange hat die Vegetation weltweit vom Klimawandel und dem erhöhten CO2-Ausstoss profitiert. Nun ändert sich das. Die Widerstandskraft der Wälder schwindet.

Was schlecht ist fürs Klima, ist gut für die Bäume: Mehr Kohlendioxid bedeutet mehr Rohstoff für die Fotosynthese der Pflanzen. In den letzten Jahrzehnten profitierte die Vegetation vom Kohlendioxid, das die Menschheit beim Nutzen von fossiler Energie reichlich in die Luft blies. Gleichzeitig verkürzen die steigenden Temperaturen die Kälteperioden im Winter und verlängern so die Vegetationsperioden. Die Wälder ergrünten. Dies berichtet die «Aargauer Zeitung».

Düngeeffekt verschwindet

Mittlerweile macht aber der Klimawandel mit häufigeren und längeren Dürreperioden den Wäldern zunehmend zu schaffen. Vor allem in den Tropen, in den relativ trockenen Regionen, aber auch in den gemässigten Breiten überfordern diese Effekte inzwischen die Widerstandskräfte und die Anpassungsfähigkeit der Wälder stark.

Dies geht aus einer aktuellen Studie hervor, die in der Fachzeitschrift «Nature» publiziert wurde. Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher Satellitendaten aus den Jahren 2000 bis 2020. Mit aufwendigen Computeralgorithmen und maschinellem Lernen las die EU-Gruppe aus diesen Daten ab, wie gut die Wälder sich an die Veränderungen in ihrer Umwelt und die sich im Klimawandel häufenden Wetterextreme angepasst haben.

Kohlenstoff wird jahrhundertelang in Bäumen gespeichert

Pierre Ibisch von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde spricht von einer «ebenso wichtigen wie beunruhigenden Arbeit». Sie füge sich schlüssig in eine Reihe weiterer Studien zum Thema ein. Die Entwicklung kann schlimme Folgen für Ökosysteme auf der ganzen Welt haben.

Wachsen Wälder doch auf rund 41 Millionen Quadratkilometern und damit auf 30 Prozent der Landfläche der Erde. Überall in diesen Wäldern fischen Blätter und Nadeln grosse Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid aus der Luft. Sie speichern den darin enthaltenen Kohlenstoff einige Jahrzehnte und manchmal sogar Jahrhunderte in ihrem Holz.

Gewisse Wälder profitieren noch

Die Wälder auf dem Globus schlucken derzeit auf diese Weise satte 33 Prozent des beim Verbrennen von Erdöl, Kohle und Erdgas entstehenden Kohlendioxids. Sinkt ihre Widerstandskraft gegen Veränderungen, wächst dort oft weniger Holz. Schwächelt diese Kohlenstoff-Senke, beschleunigt das den Klimawandel.

Vom steigenden Kohlendioxid-Gehalt der Luft profitieren viele Wälder im Osten Kanadas und im europäischen Teil Russlands zwar derzeit noch immer stärker, als dass der Klimawandel ihnen zu schaffen macht. Allerdings könnte auch dieses anhaltende Ergrünen bald von den massiven negativen Folgen des Klimawandels ausgebremst werden, befürchtet das EU-Forschungsteam.

(hap)

Quelle: Aargauer Zeitung
veröffentlicht: 4. August 2022 14:21
aktualisiert: 4. August 2022 14:21
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