180 in Quarantäne

Mehrere Diphtherie-Fälle in Berner Bundesasylzentrum

3. August 2022, 07:37 Uhr
Im ehemaligen Zieglerspital in Bern ist bei sechs Personen Diphtherie diagnostiziert worden. Das Zentrum wurde unter Quarantäne gestellt.

Erstmals seit 1983 tauchen in der Schweiz Fälle von Diphtherie auf. Betroffen ist das Bundesasylzentrum im ehemaligen Zieglerspital in Bern. «Bei zwei Personen wurde Rachendiphtherie bestätigt, und es liegt ein positiver Toxin-Befund vor», bestätigte Samuel Wyss, Sprecher des Staatssekretariats für Migration (SEM), am Dienstag eine Meldung der Online-Plattform «nau.ch». Bei vier weiteren Personen wurde Rachendiphtherie bestätigt, der Toxin-Befund ist laut Wyss noch ausstehend. Respiratorische Symptome seien bei den Betroffenen nicht vorhanden.

Betroffen sind 92 unbegleitete minderjährige Asylsuchende auf einer Etage und 83 Asylsuchende auf einer anderen Etage. Grundsätzlich ist laut Wyss das gesamte Bundesasylzentrum geschlossen. Externe Termine werden keine wahrgenommen, um eine Weiterverbreitung der Krankheit zu verhindern, wie Wyss ausführte.

«Keine Impfskepsis»

Alle Infizierten befinden sich in Isolation. Die übrigen Bewohner seien auf ihren Etagen und stünden dort miteinander in Kontakt, führte Wyss aus. Im gesamten Gebäude herrscht Maskenpflicht.

Wyss sagte zu «SRF», dass im grossen Stil getestet werde und auch Impfungen angeboten würden. Die positiv getesten Personen befänden sich in Isolation. «Es ist keine Impfskepsis vorhanden. Den Menschen ist bewusst, dass Diphtherie eine schlimme, tödliche Krankheit sein kann.»

Wie äussert sich die Krankheit?

Diphtherie ist eine Infektionskrankheit, die durch ein Bakterium verursacht wird. Die Übertragung von Mensch zu Mensch erfolgt über Tröpfcheninfektion. Die Krankheit kann wichtige Organe dauerhaft schädigen und lebensbedrohlich sein.

Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) beginnt die Krankheit zwei bis fünf Tage nach der Übertragung meist allmählich mit Halsschmerzen, Fieber und Schluckbeschwerden. Später treten Heiserkeit, pfeifender Atem und Lymphknotenschwellungen auf. Es entstehe eine angina-ähnliche Mandel- und oder Rachenentzündung mit typischen grau-weissen, süsslich riechenden Belägen, die sich im Gaumen bis zum Kehlkopf und zu den Stimmbändern ausbreiten könnten. Mögliche Folgen seien auch Atemnot oder Ersticken. 

Diphtherie ist weltweit verbreitet, in den Industrieländern jedoch dank der allgemein eingeführten Impfung weitgehend verschwunden. Die Sterblichkeit bei Rachendiphtherie liegt laut BAG bei bis zu 50 Prozent, lässt sich aber durch die sofortige Verabreichung eines Gegengifts auf 5 bis 10 Prozent senken. 

(sda/bza)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 2. August 2022 19:38
aktualisiert: 3. August 2022 07:37
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