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Mehrheit will den Vaterschaftsurlaub

Lara Abderhalden, 9. März 2017, 09:20 Uhr
Das Thema Vaterschaftsurlaub bewegt. Dies zeigt die Umfrage auf FM1Today. Mehr als die Hälfte der Befragten gaben an, dass ein Vaterschaftsurlaub von mehr als zwei Wochen gerechtfertigt ist. Einige Frauen sind jedoch der Meinung, dass Männer es solange gar nicht zuhause aushalten würden.
Die Mehrheit des Volkes möchte einen gesetzlich geregelten Vaterschaftsurlaub.
© iStock

40 Prozent der FM1Today-Leser sind der Meinung, dass frischgebackene Väter einen Urlaub von mindesten zwei Wochen erhalten sollen, zeigt eine Umfrage auf FM1Today. Wiederum rund 40 Prozent sind gar für einen Vaterschaftsurlaub von zwei Monaten. Nur gerade fünf Prozent sind mit zwei Tagen Vaterschaftsurlaub zufrieden. Auf Facebook wird das Thema rege diskutiert. Einige User finden, dass Männer gar keine Nerven hätten, so lange zuhause zu bleiben. Andere finden zwei Monate Vaterschaftsurlaub super.

Anlass für die Befragung war die Einführung von zwei Monaten Vaterschaftsurlaub bei der Ikea. Daraufhin haben wir bei grossen Ostschweizer Unternehmen nachgefragt. Die meisten Unternehmen gewähren zwischen zwei und fünf Tagen Vaterschaftsurlaub.

Über die Hälfte der Arbeitgeber gewähren nur einen Tag

Damit liegen sie im Trend. Travail Suisse untersuchte im Jahr 2015 die wichtigsten Gesamtarbeitsverträge (GAV) in der Schweiz. Dabei fanden sie heraus, dass in zwei Drittel der untersuchten Unternehmen, den Vätern nur ein oder zwei freie Tage gewährt wird. Über der Hälfte der Arbeitnehmenden mit einem GAV steht nur ein Tag Urlaub zur Verfügung. Kaum ein GAV sieht mehr als fünf Tage Vaterschaftsurlaub vor.

Über die Hälfte der untersuchten Unternehmen bieten nur einen Tag Vaterschaftsurlaub (Grafik: Travail Suisse)

Auffallend ist bei der Untersuchung ausserdem, dass der Vaterschaftsurlaub auch branchenabhängig ist. So haben Väter im Banken-, Uhren- oder Mikrotechnikbereich häufig bessere Bedingungen als im Gastgewerbe, Baugewerbe, der Reinigung oder im Personalverleih. Ausserdem ist man bezüglich Vaterschaftsurlaub bei den privaten Arbeitgebern noch etwas schlechter dran als bei öffentlichen.

Bevölkerung möchte gesetzlich geregelten Vaterschaftsurlaub

Dieses Ergebnis der Untersuchung steht im Kontrast zur öffentlichen Meinung. Gleichzeitig zum Ist-Zustand hat Travail Suisse auch noch die Bedürfnisse der Bevölkerung untersucht. Diese Untersuchung zeigt ein ganz anderes Bild. So möchte die Mehrheit der Schweizer, dass es einen gesetzlich verankerten bezahlten Vaterschaftsurlaub gibt (über 50 Prozent).

In der ebenfalls im 2015 gemachten Untersuchung zeigt sich zusätzlich, dass über 40 Prozent der Deutschschweizer einen Vaterschaftsurlaub von mehr als zehn Tagen befürworten.

Über 50 Prozent befürworten einen gesetzlich verankerten Vaterschaftsurlaub. (Bild: Travail Suisse)

Weil eine entsprechende parlamentarische Initiative schon mehrmals im Parlament scheiterte, versucht Travail Suisse den Vaterschaftsurlaub auf Volksebene mit einer Volksinitiative durchzubringen. Bereits 85'000 Unterschriften wurden gesammelt. Travail Suisse sind die ersten, die Online so viele Unterschriften sammeln konnten.

Lara Abderhalden
Quelle: abl
veröffentlicht: 9. März 2017 08:56
aktualisiert: 9. März 2017 09:20