Mit Alu und Zuckerwasser zu Milliarden

René Rödiger, 1. April 2017, 17:31 Uhr
Seit 30 Jahren gibt es Red Bull. Dass der Energy Drink überhaupt zu einem Erfolg werden konnte, liegt weniger am Inhalt oder dem Geschmack, sondern vielmehr an Legenden und gutem Marketing.

Hand aufs Herz: Ein Genuss ist Red Bull nicht. Eine klebrige Masse und vor lauter Zucker kaum erfrischend. Der Duft, der sich sofort im Raum verbreitet, wenn jemand eine solche Dose öffnet, erinnert eher an ein Parfüm für Kinder, das es als Gratis-Muster im neuen Mickey-Mouse-Heftli gibt als an ein Getränk.

Und trotzdem ist der Erfolg Red Bulls riesig. Schon kurz nach der Markteinführung am 1. April 1987 war der Drink kaum mehr aus den Clubs und Bars wegzudenken. Mit dem Slogan «Red Bull verleiht Flügel» sollte dem Zuckerwässerli eine leistungssteigernde Wirkung angedichtet werden.

Energie aus Thailand

Die Idee für Red Bull hatte der damalige Zahnpasta-Handelsreisende Dietrich Mateschitz aus Asien importiert. Dort lernte er die «Tonic Drinks» kennen, unter anderem auch den «Krating Daeng» (auf Deutsch «roter Stier») in Thailand. Sofort gründete Mateschitz zusammen der thailändischen T.C. Pharmaceutical die Red Bull GmbH. Noch heute hält die Familie Yoovidhya, die Besitzer des thailändischen Konzerns, die Aktienmehrheit an Red Bull. In der Schweiz wurde Red Bull erst ab 1994 zugelassen.

Sagen, Gerüchte und Legenden

Der schnelle Erfolg des Energy Drinks hat auch mit der leicht anrüchigen Aura in frühen Jahren zu tun. Angeblich sollen riesige Mengen Koffein und eine mysteriöse Zutat namens Taurin - angeblich aus Stierhoden - im Getränk sein. Natürlich ist das Humbug. Eine Dose Red Bull enthält gerade einmal 80 mg Koffein. Das ist vergleichbar mit einer leichten Tasse Kaffee. Taurin hat überhaupt keine stimulierende Wirkung und eine künstlich hergestellte Aminosäure. Der Hauptbestandteil von Red Bull ist, nebst Wasser, Kohlensäure, Aromen und Farbstoffen, der Zucker. Ganze 27 Gramm (mehr als sechs Würfelzucker) sind in einer Dose.

Trotz dieser Zutaten wurde 2016 mit 11'865 Mitarbeitern in 171 Ländern ein Umsatz von über 6 Milliarden Euro erwirtschaftet. Seit der Markteinführung wurden weltweit 62,37 Milliarden Dosen Red Bull verkauft.

Dose kommt aus dem Rheintal

Die Erfolgsstory des Energy Drinks ist noch lange nicht vorbei. Red Bull ist seit wenigen Jahren auch in China zugelassen und in den USA will die Firma ebenfalls endlich zu einer festen Grösse werden. Immer höhere Verkaufszahlen und immer billigere Produktion. So soll das Wachstum auch finanziell funktionieren. Abgefüllt wird Red Bull deshalb auch bei Rexam im St.Galler Rheintal und bei Rauch im Vorarlberg. Auch bei den Dosen wird gespart: In den letzten Jahren wurde das Gewicht der Dosen um 60 Prozent reduziert.

Expansion in die Sportwelt

Mateschitz verlässt sich beim Marketing nicht auf die klassischen Wege. Er sponsert Extremsport-Events und betreibt auch einen eigenen Fernsehsender. Zum Unmut vieler Fans mischt er auch die traditionelle Sportwelt auf: Zwei Formel-1-Teams, Fussball- und Eishockeymannschaften sollen die Marke Red Bull noch mehr mit Leistungssport und Erfolg in Verbindung bringen. Der Plan Mateschitz' geht auf. Die 30-jährige Erfolgsstory Red Bulls scheint noch lange weiter zu gehen.

(red.)


René Rödiger
veröffentlicht: 1. April 2017 17:31
aktualisiert: 1. April 2017 17:31