Superspreader-Event

«Mit der App müssten nicht alle 300 in Quarantäne»

Géraldine Bohne, 30. Juni 2020, 09:13 Uhr
300 Personen in Quarantäne – Das ist das Ergebnis einer Partynacht in Zürich. (Symbolbild)
© Keystone
Der Superspreader-Event in Zürich zieht weite Kreise – 300 Personen sitzen in Quarantäne. Hätten alle die Swisscovid-App gehabt, wäre dies nicht nötig. Im Kanton St.Gallen denkt man laut über ein App-Obligatorium für Nachtschwärmer nach.

Wochenende für Wochenende öffnen Clubs ihre Türen. Es wird ausgelassen gefeiert – Corona scheint in den Hintergrund gerückt zu sein. Nun ist es in einem Zürcher Nachtclub zu einem Superspreader-Event gekommen, 300 Personen mussten in Quarantäne. Die St.Galler Kantonsärztin Danuta Reinholz glaubt, dass die SwissCovid-App in solchen Fällen helfen würde.

«Es kann vermehrt zu grossangelegten Quarantänen nach Partynächten kommen»

«Wenn die Abstandsregeln und Hygienemassnahmen nicht mehr konsequent eingehalten werden, kann es vermehrt zu solchen grossangelegten Quarantänen nach Partynächten kommen», sagt die Kantonsärztin zu FM1Today. In Nachtclubs könne es ungemütlich sein, die Abstandsregeln einzuhalten, deshalb sei die Angabe der Kontaktdaten essenziell. In jenem Fall des Zürcher Nachtclubs hatten viele Feiernde falsche Kontaktangaben gemacht. «Es ist absolut möglich, die Kontaktdaten mit beispielsweise einer ID-Kontrolle zu überprüfen», so Reinholz. Auch schriftliche Voranmeldungen mit einer verbindlichen Unterschrift seien eine Option.

Danuta Reinholz ist St.Galler Kantonsärztin.

© Tagblatt/Urs Bucher

Junge würden Situation banalisieren

Wieso falsche Angaben gemacht werden, kann sich die Ärztin nur damit erklären, dass viele Junge die Situation banalisieren würden. «Ihnen ist gar nicht bewusst, dass sie auch andere junge Menschen anstecken können, die vielleicht eine Immunschwäche haben.» Der Solidaritätsgedanke sei zu wenig vorhanden. «Leute, die in den Ausgang gehen, müssen Verantwortung übernehmen», sagt Danuta Reinholz.

Mögliches App-Obligatorium in Nachtclubs

Die Kantonsärztin plädiert darauf, dass sich Partygänger die Contact-Tracing-App installieren. Damit könne das Contact Tracing vereinfacht werden. Gerade im Falle des Zürcher Superspreader-Events hätte eine grossangelegte Quarantäne verhindert werden können. «Mit der App müssten nicht alle 300 in Quarantäne.» Die App kann genau ermitteln, wer im Club unmittelbaren Kontakt mit dem Infizierten hatte. «Man muss sich überlegen, ob die App für Clubbesucher gar obligatorisch sein sollte», so Reinholz.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 30. Juni 2020 09:16
aktualisiert: 30. Juni 2020 09:13