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Schweizer Hochschulen

«Möglicherweise pausiere ich mein Studium»

Lukas Schmidt, 14. September 2021, 16:26 Uhr
Ab nächstem Montag gilt an diversen Schweizer Hochschulen die Zertifikatspflicht. Eine Alternative zum Präsenzunterricht ist nicht garantiert. Für nicht Geimpfte, die sich regelmässige Tests nicht leisten können, droht der Bildungsausschluss.
Auch an der Uni St.Gallen wird die Zertifikatspflicht denn Alltag stark verändern.
© Keystone

Jeden Tag an die Uni – noch vor der Pandemie wäre dies für viele Studierende der blanke Horror gewesen. In den letzten Monaten entwickelte sich jedoch viel mehr eine Wunschvorstellung. Studentinnen und Studenten haben den Onlineunterricht satt.

Dieser Ansicht sind auch die Hochschulen. Infolgedessen haben etliche für den Herbstsemesterstart nächsten Montag eine Zertifikatspflicht eingeführt. Sie folgen damit der allgemeinen Empfehlung von Swissuniversities, die Dachorganisation der Schweizer Hochschulen. Ein Covid-Zertifikat verlangt beispielsweise die ETH, die Universitäten Zürich und St.Gallen, die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) oder die Pädagogischen Hochschule Zürich. Denn so kann man die Kapazitätsbeschränkung aufheben und zum präferierten Präsenzunterricht zurückkehren.

Studierende, die nicht geimpft oder genesen sind, müssen sich folglich testen. Wer hingegen kein gültiges COVID-Zertifikat besitzt, dem bleibt der Zutritt auf den jeweiligen Hochschul-Campus verwehrt. Viele Hochschulen bieten daher Impfungen an ihren Standorten an. So auch die ZHAW. Bis Ende September übernimmt sie zusätzlich die Testkosten. «Darüber hinaus ist eine Schonfrist mit Gratistests jedoch nicht vorgesehen», antwortet die Medienstelle der ZHAW.

Springen Studierende ab?

Nicht impfwillige Studentinnen und Studenten stehen im Clinch. Entweder impfen lassen oder für Tests zahlen lautet die Devise. Im Falle eines negativen Testergebnisses wird ein Zertifikat ausgestellt, welches für 48 Stunden gültig ist. In einer Woche dürften bis zu drei Tests «nötig» sein, um alle Vorlesungen zu besuchen. Studierende, die sich das leisten können – eher unwahrscheinlich.

Der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) befürchtet ein Bildungsausschluss von eben diesen Studierenden. Co-Präsident Elischa Link gibt klar zu verstehen: «Die Hochschulen hatten genug Zeit, sich auf diese Situation vorzubereiten. Es muss eine digitale Alternative zum Präsenzunterricht geben, wenn die Zertifikatspflicht eingeführt wird.»   

Das Beispiel einer Studentin der pädagogischen Hochschule Zürich zeigt auf, wohin der Konflikt führen könnte. Auf WhatsApp schreibt sie: «Möglicherweise pausiere ich mein Studium. Ich finde die Zertifikatspflicht an Hochschulen daneben und fühle mich als Ungeimpfte unter Druck gesetzt. Zumal ich mir Covid-Tests weder leisten will noch kann.»

Details zur Umsetzung noch nicht geklärt

Die Hochschulen wollen Studierenden ohne gültiges Covid-Zertifikat Alternativen zum Präsenzunterricht bieten. In welcher Form und welchem Ausmass ist allerdings noch unklar. Die ZHAW schreibt, dass dies Sache der jeweiligen Studiengangleitung und den Dozierenden sei. Man wolle die in den letzten Semestern gesammelten Erfahrungen mit Fernunterricht in diese Entscheidung «einfliessen lassen».

Was in der Theorie noch unklar ist, dürfte in der praktischen Umsetzung noch viel wirrer sein. So antwortet die Universität St. Gallen, dass «Details» zur Umsetzung noch geklärt werden müssten.  Klarheit herrscht dann wahrscheinlich erst nächsten Montag, wenn tausende Studierende in das Herbstsemester 2021 starten.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 16. September 2021 16:52
aktualisiert: 14. September 2021 16:26