Leichtathletik

Mujinga Kambundji: «Im Moment kann ich mich nicht beklagen»

31. März 2020, 14:38 Uhr
Mujinga Kambundji posiert für die Fotografen.
© KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Mujinga Kambundji macht das Beste aus der schwierigen Situation. Die 27-jährige Bernerin ist immer noch gut im Plan.

Mitte Mai wollte Kambundji in die Saison starten. Daraus wird wegen der Coronavirus-Pandemie nichts. Das erste Meeting der Diamond League findet frühestens am 7. Juni in Eugene statt, doch steht selbst hinter den Europameisterschaften Ende August in Paris ein Fragezeichen. «Ein Sommer ohne Grossanlass wäre schon sehr speziell», sagte die Tochter eines Kongolesen.

Aktuell ändert sich für Kambundji aber nicht viel. «Ich will so oder so weiter trainieren. Selbst wenn die ganze Saison ins Wasser fallen würde, kann ich nicht einfach sechs Monate pausieren. Es bringt nicht viel, gross darüber nachzudenken. Wir können es sowieso nicht beeinflussen, wissen nicht, wie sich das Ganze entwickelt.»

Klar ist, dass Kambundji in der Planung Anpassungen vornehmen wird. Schliesslich war der Höhepunkt auf Anfang August terminiert - am 1. hätte der Olympia-Final über 100 m stattfinden sollen, am 4. jener über 200 m. Nach dem Gewinn von WM-Bronze über die halbe Bahnrunde im vergangenen Oktober hätte sich die Schweizer Sportlerin des letzten Jahres auch in Tokio etwas ausrechnen können. «Natürlich ist es schade, allerdings war es absehbar», sagte Kambundji zur Verschiebung der Olympischen Spiele auf 2021.

Nun wird die Planung nach hinten verschoben, damit sie an den Europameisterschaften die Topform erreicht. Zwar ist Kambundji aufgrund der Restriktionen ebenfalls eingeschränkt, sie absolviert aber «mehr oder weniger das gleiche Programm». Einen «guten Teil» kann sie daheim machen - sie hat sich ein Spinning Velo zugelegt. Zudem bieten sich ihr ums Haus herum einige Möglichkeiten, selbst für Sprint-Einheiten. Einmal pro Woche geht sie zu ihrem Manager Lukas Wieland in den Kraftraum. Die diesbezügliche Basis hat sie schon Anfang Jahr gelegt - ein Krafttest in Magglingen fiel sehr gut aus. «Im Moment kann ich mich nicht beklagen», sagte Kambundji. Ohnehin sieht sie in der ganzen Krise auch Positives, nämlich dass mehr zueinander geschaut werde.

Ein Vorteil für Kambundji ist, dass sie es sich gewohnt ist, alleine zu trainieren. Die aktuelle Situation ist für sie vergleichbar mit einem Trainingslager. In einem solchen bewegt sie sich neben den Einheiten zwar mehr, aber ebenfalls nicht viel. Insofern nimmt sie das Ganze entspannt. Zwar vermisst sie es, mal im Garten ihrer Eltern zu sitzen oder kurz jemanden für einen Kaffee zu treffen, «ich habe jedoch kein Problem, zu Hause zu sein (sie wohnt mit ihrem Freund), bin nun einfach viel am Telefon», so Kambundji.

Ausserdem ist sie auch sonst oft von ihren Liebsten getrennt. Im April wäre geplant gewesen, mit ihrer Trainingsgruppe in London für vier Wochen in die USA zu gehen, danach hätte noch ein Trainingslager in der Türkei im Programm gestanden. Im Februar war sie auf Teneriffa. Auf eine Hallen-Saison hatte Kambundji verzichtet, um nach dem Grosserfolg an den Weltmeisterschaften in Doha mehr Zeit zu haben. Zuerst gönnte sie sich Ferien auf Mauritius, danach standen viele Termine an.

Seit Anfang Jahr ist der Fokus nun wieder vermehrt aufs Training gerichtet. «Es war nach der strengen und emotionalen Saison wichtig, erholt in den Aufbau zu gehen», erklärte Kambundji. Ganz verarbeitet hat sie die WM allerdings noch nicht, «das ist auch gut so.» Die Wahl zur Sportlerin des Jahres bezeichnete sie als «unglaublich. Angesichts des hohen Niveaus war die Wahl für mich eine mega schöne Überraschung.» Haben sich die Erfolge aufs Sponsoring ausgewirkt? «Die Nachfrage ist sicher gestiegen. Für mich ist jedoch wichtig, dass die Partner zu mir passen.» Allerdings muss Kambundji derzeit auf Startgelder verzichten, die höher ausgefallen wären, und dies zumindest noch bis Anfang Juni.

Quelle: sda
veröffentlicht: 31. März 2020 14:35
aktualisiert: 31. März 2020 14:38