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Nach Corona-Lockerungen: Wie weiter mit der SwissCovid-App?

28. Februar 2022, 07:38 Uhr
Das BAG empfiehlt, die SwissCovid-App aufgrund der hohen Fallzahlen weiterhin auf dem Smartphone zu belassen. Trotz aktuell 1,6 Millionen aktiven Nutzerinnen und Nutzern wurden insgesamt aber lediglich 160'000 Covid-Codes in die App eingegeben. Bietet sie also wirklich einen Mehrwert?
Da die Ansteckungszahlen nach wie vor hoch sind, sollen Nutzer laut dem BAG die App auf dem Mobiltelefon belassen.
© Laurent Gillieron / KEYSTONE

Seit dem 25. Juni 2020 steht die SwissCovid-App für die Öffentlichkeit zum Download über die App-Stores von Apple und Google bereit. 3,78 Millionen Mal wurde die App seither heruntergeladen.

300'000 haben App gelöscht 

Auf Nachfrage beim BAG lag der Höchststand aktiver Nutzer bei 1,9 Millionen. Aktuell wird die App von 1,6 Millionen Schweizerinnen und Schweizern genutzt. 300'000 Leute haben die App also bereits wieder gelöscht. Das ist im Vergleich zum Höchststand ein Rückgang um 15 Prozent. Trotz Lockerungen hält das BAG an der App fest. Es rät aufgrund der hohen Ansteckungen weiterhin dazu, die App bis auf Weiteres aktiviert auf dem Smartphone zu belassen. «Je nach Entwicklung der epidemiologischen Lage in den nächsten Wochen oder Monaten können Szenarien auftreten, in denen die App und das dahinterliegende System von grossem Nutzen sein werden», schreibt das BAG auf Anfrage von ArgoviaToday.

Nur 160'000 Covidcodes trotz fast 4 Millionen Downloads 

Im Hinblick auf die seit Juni 2020 lediglich 160'000 generierten Covid-Codes kann der Mehrwert der App hinterfragt werden. «Gemäss einer Analyse der medizinischen Meldeformulare gaben zwischen August und September 2020 mehr als 300 Personen die SwissCovid-App als einzigen Grund für den Test an», teilt das BAG auf Anfrage mit. Nach wissenschaftlichen Berechnungsmodellen, beispielsweise aus Deutschland, würden für jeden eingegebenen Code bis zu vier Personen benachrichtigt. Das Ziel, asymptomatische Fälle zu finden und die Infektionsketten zu durchbrechen, sei erreicht worden, so das Bundesamt weiter. Das bestätigen auch die im entsprechenden Zeitraum relativ tiefen Zahlen. Von August bis September 2020 gab es in der Schweiz täglich zwischen 100 und 500 tägliche Neuinfektionen mit dem Coronavirus.

Effektiver Nutzen schwer abschätzbar

Das BAG räumt aber ein, dass eine effektive Untersuchung über den Nutzen der SwissCovid-App schwierig ist. «Die Quantifizierbarkeit ohne entsprechende Studie ist rein spekulativ», so das BAG. Denn aus datenschutzrechtlichen Gründen sind solche Studien nicht möglich. Das BAG kann deshalb nicht sagen, wie viele Warnungen insgesamt über die SwissCovid-App verschickt wurden. Deshalb ist eine Evaluation über den Nutzen der App praktisch unmöglich.

(red.)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 27. Februar 2022 13:13
aktualisiert: 28. Februar 2022 07:38
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