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Nach Silvester streikte der Notfallknopf

Angela Mueller, 4. Januar 2019, 14:53 Uhr
Wegen eines Software-Fehlers hat in verschiedenen Spitälern das Notfallrufsystem für Patienten nicht mehr funktioniert. Auch Spitäler des Kantons St.Gallen waren betroffen.
Per Alarmknopf können die Patienten das Pflegepersonal ans Spitalbett rufen. Das System fiel für einige Tage schweizweit aus.
© iStock

Genau ab einer Minute nach Mitternacht am 1. Januar blieb es in den Gängen der Spitäler gespenstig ruhig. Kein Aufleuchten der roten Türknöpfe und kein Summen war zu hören: Die Patienten konnten nicht mehr vom Bett aus den Notruf aktivieren und das Pflegepersonal um Hilfe bitten. Die Spitäler in Rorschach und Flawil waren betroffen, wie die Unternehmenskommunikation des Kantonsspitals St.Gallen mitteilt.

Rorschach und Flawil weiterhin betroffen

Das Problem war ein Software-Fehler des Systems der Patientenrufanlage, das von einer Vielzahl von Spitälern in der Schweiz benutzt wird, schreibt das Online-Portal Watson. Zurzeit läuft eine detaillierte Untersuchung, um in Zukunft solche Vorfälle ausschliessen zu können, wie verschiedene Spitalverantwortliche gegenüber «watson.ch» bestätigen.

«Der Auftrag zur Behebung der Störung an die externe Lieferfirma wurde unverzüglich platziert», heisst es beim Kantonsspital St.Gallen auf Anfrage. Wie lange der Ausfall noch andauern wird, sei unklar.

Patienten rufen die Pflege per Telefon

«Die Pflege an den betroffen Standorten Flawil und Rorschach wurde über den länger andauernden Ausfall des Systems informiert», heisst es beim Kantonsspital St.Gallen. Das Pflegepersonal habe die Rundgänge auf den Stationen intensiviert. «Die Patientenzimmer waren zudem wenn möglich offen und die Patienten können bei Bedarf via Telefon die Pflege anfordern.»

Das Spital in St.Gallen hingegen war nicht betroffen, da hier ein anderes Patientenrufsystem im Einsatz ist.

Altes Rufsystem in Herisau eingesetzt

Auch der Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden mit den Spitälern in Herisau und Heiden und der Psychiatrischen Klinik Herisau hatte mit dem Problem zu kämpfen. «Gemäss Servicefirma liegt ein Fehler in der Hardware oder Software des Herstellers vor und führte exakt zum Jahreswechsel zum Totalausfall der Anlagen», sagt Alain Kohler, Sprecher des Spitalverbunds Appenzell Ausserrhoden.

In Herisau und Heiden funktionieren die Anlagen inzwischen wieder. Im Psychiatrischen Zentrum Herisau sei hingegen ein älteres Rufsystem eingesetzt worden.

Spitäler schweizweit im Ausnahmezustand

Schweizweit waren unter vielen anderen die Universitätsspitäler Zürich und Basel, das Inselspital Bern, die Kantonsspitäler Aarau, Luzern und Zug betroffen.

Das System fiel nicht überall im gleichen Masse aus. Zum Teil war das ganze Notfallsystem lahmgelegt, in anderen Fällen lediglich die Ton- und Leuchtfunktion. Via Monitore konnte das Personal in den Stationszimmern sehen, wer den Notruf betätigte, wie Watson berichtet.

Zum Teil waren auf den Abteilungen Babyphone im Einsatz. Zu Schaden sei niemand gekommen, hiess es bei verschiedenen Spitalleitungen auch beim Kantonsspital St.Gallen zu denen die Standorte Flawil und Rorschach gehören.

Auch Altersheime kämpfen mit Systemausfall

Gemäss den Recherchen von Watson sind offenbar auch Altersheime in der ganze Schweiz betroffen: Die Tertianum Gruppe etwa, einer der grössten Betreiber von Seniorenheimen in der Schweiz, hat mit der Störung zu kämpfen, schreibt Watson. Ähnlich sieht es bei Heimen in Bern und Zürich aus.

(agm)

 

Angela Mueller
veröffentlicht: 4. Januar 2019 14:38
aktualisiert: 4. Januar 2019 14:53