Aktien

Nationalbank schickt Schweizer Börse auf Talfahrt

16. Juni 2022, 19:48 Uhr
Eine unerwartet deutliche Zinserhöhung der Schweizerischen Nationalbank hat der ohnehin fragilen Börse am Donnerstag schwer zugesetzt. Das hiesige Aktienbarometer SMI reagierte mit einem markanten Taucher. Dagegen ist der Franken deutlich erstarkt.
Mit einer unerwarteten Zinserhöhung hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Marktteilnehmer an der Schweizer Börse am Donnerstag auf dem falschen Fuss erwischt. Der Leitindex SMI reagierte mit einem markanten Taucher. (Symbolbild)
© KEYSTONE/ENNIO LEANZA

Eine straffere Geldpolitik der Notenbanken von Hongkong, England und ganz überraschend auch der Schweiz habe den Investoren die Risiken der weltweiten Inflation und die damit verbundene Gefahr einer Rezession erneut deutlich vor Augen geführt, hiess es am Markt. Bereits am Mittwochabend hatte auch die US-Notenbank Fed weiter an der Zinsschraube gedreht.

Die Nervosität an den Märkten blieb hoch. Der als «Angstbarometer» geltende Volatilitätsindex VSMI legte am Donnerstag um 11 Prozent auf 25,83 Punkte zu.

Euro unter 1,02 Franken

Der SMI rutschte um 2,86 Prozent auf 10'475,37 Punkte ab. Der deutsche Dax verlor 3,3 Prozent, der britische FTSE 100 3,1 Prozent und der französische Cac 40 2,4 Prozent. Auch in den USA sah es nicht besser aus und sowohl der Dow Jones Index als auch der technologielastige Nasdaq gaben deutlich nach.

In einem Umfeld geldpolitischer Straffung vieler Notenbanken seien Aktien-Engagements nicht wirklich aussichtsreich, kommentierte ein Marktexperte. «Zum einen führt die hohe Inflationsdynamik zu Konsumzurückhaltung und zum anderen zu sinkenden Margen bei den Unternehmen.» Bestenfalls komme es dann zu einer Stagflation, andernfalls stehe eine faustdicke Rezession vor der Tür.

Mit dem Zinsentscheid legte auch der Franken merklich zu, was für die Schweizer Exportindustrie schmerzhaft ist. Der Euro fiel zum Franken deutlich auf unter 1,02 Franken. Der Dollar rutschte auf unter 0,97 Franken ab.

Anleger suchen sichere Häfen

Besonders stark verkauft wurden Wachstums- und Technologiewerte, bei denen sich höhere Zinsen am stärksten bemerkbar machten. Und auch Unternehmen mit einer hohen Nettoverschuldung wurden überdurchschnittlich stark abgestraft. Aber auch die Finanzwerte, denen ansonsten nachgesagt wird, sie profitierten von höheren Zinsen, konnten sich dem Negativtrend nicht entziehen.

Grösste Verlierer waren im SMI am Donnerstag Swiss Life (-6,4 Prozent), UBS (-6,0 Prozent) und Logitech (-5,6 Prozent). Am wenigsten schlecht schlugen sich derweil defensiv taxierte Aktien wie die Schwergewichte Nestlé (-1,2 Prozent), Roche (-1,4 Prozent) und Novartis (-2,3 Prozent) sowie Swisscom (-1,9 Prozent). «Die Anleger suchen sichere Werte», sagte ein Händler.

(osc/sda)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 16. Juni 2022 19:48
aktualisiert: 16. Juni 2022 19:48
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