Imark auf Irrfahrt

Navi führt SVP-Nationalrat in den Wald statt an Partei-Anlass

Bettina Zanni, 21. November 2022, 17:48 Uhr
Die Nomination der Bundesratskandidaten der SVP fand in einem abgelegenen Walliser Dörfchen statt. Nationalrat Christian Imark kam nach einer Irrfahrt erst mitten in der Nacht an. «Ohne Allradantrieb wäre ich das Loch ab», erzählt er.
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In einem Dorf in den Walliser Alpen prüfte die SVP ihre Bundesratskandidatinnen und -kandidaten auf Herz und Nieren. Auch der Solothurner SVP-Nationalrat Christian Imark war am Nominationsanlass in der Turnhalle in Hérémence am Freitag dabei. Die Fahrt nach Hérémence gestaltete sich für ihn aber alles andere als einfach.

Im Gegensatz zu anderen Fraktionsmitgliedern reiste Imark nicht schon am Vorabend, sondern erst mitten in der Nacht an. Imark habe Hérémence nach einer Irrfahrt erreicht und sei mit dem Auto beinahe auf der Skipiste gelandet, schrieb der «Tages-Anzeiger».

«Verschiedene unglückliche Umstände»

Christian Imark bestätigt die Irrfahrt gegenüber der Today-Zentralredaktion. Er wäre auch gerne bereits am Vorabend in Hérémence eingetroffen, um am Besuch des neuen Pumpspeicherkraftwerks in Nant de Drance teilzunehmen, sagt er. «Da die SVP Kanton Solothurn am Donnerstagabend aber noch Mitgliederversammlung hatte, konnte ich erst um 22 Uhr abfahren», erklärt Imark, der Präsident der SVP Kanton Solothurn ist.

Der Politiker rechnete damit, zwischen 00.30 Uhr und 1 Uhr im neu gebauten Hotel Eringer in Hérémence einzutreffen. «Verschiedene unglückliche Umstände führten dazu, dass ich schlussendlich erst um halb drei Uhr morgens ankam», berichtet Imark.

Pech am Lötschberg und mit dem Wetter

Die erste Hürde begegnete dem SVP-Nationalrat beim Autoverlad Lötschberg. «Ich hatte den letzten Zug um drei Minuten verpasst», erzählt Imark. In der Folge habe er von Kandersteg nach Bern zurückfahren und den Weg von Vevey her nehmen müssen. «Dieser Umweg kostete mich zwei Stunden.»

Auch das Wetter meinte es nicht gut mit dem Politiker. «Während meiner Fahrt durch die halbe Schweiz schüttete es zuerst aus Kübeln und danach begann es oberhalb 1300 Meter zu schneien», erinnert er sich. Doch das Gröbste auf Imarks Irrfahrt sollte erst noch kommen.

Imark wurde es mulmig

Mit dem Navigationsgerät folgte Imark den Anweisungen des Hoteldirektors. «Doch das Navi hatte mich an der Einfahrt zum Parkhaus des Hotels vorbeigeschickt, wie ich im Nachhinein bemerkte.» Zudem habe enorm schlechte Sicht geherrscht.

Statt beim Hotel landete er auf einem unbefestigten Weg voller Schnee, Geröll und ringsum vielen Bäumen. «Die Strasse war fertig. Ich stand mit dem Auto im Wald umgeben von Skiliftmasten – und das Navi meldete, ich hätte meinen Zielort erreicht», berichtet Imark kopfschüttelnd.

In diesem Moment wurde es dem Politiker mulmig zu Mute. «Es war dort auch noch gefährlich. Ich stand direkt neben einem Abhang», so Imark. Zum Glück habe sein Auto einen Allradantrieb. «Ansonsten wäre ich nicht mehr angekommen.»

Hausnummer habe gefehlt

Imark blieb nichts anderes übrig, als den Hoteldirektor mitten in der Nacht anzurufen. «Dieser sagte mir, dass er auch schon dort hinten gelandet sei», erzählt der Politiker. Eine Abkürzung, um auf den richtigen Weg zu gelangen, hatte der Direktor aber auch nicht auf Lager. «Ich konnte nur denselben Weg zurückfahren, um zur richtigen Abzweigung zu kommen.»

Schuld an der Irrfahrt ist aber nicht Imarks Navi. Offenbar habe das Hotelparkhaus noch keine Hausnummer, weshalb der Direktor ihm lediglich die Adresse der Strasse angegeben habe, erklärt Imark. Dem Direktor hielt er eine Standpauke. Er habe ihm gesagt, dass er diese Adresse nicht jedem Gast angeben könne. «Auch machte ich ihm klar, dass ich ohne Allradantrieb das Loch ab wäre.»

«Niemand begriff, warum wir ins Juhe rausmussten»

Imark war aber nicht das einzige Fraktionsmitglied, das mit der Anfahrt zu kämpfen hatte. «Die anderen fluchten am anderen Tag auch, dass die Anreise ein ‹Seich› gewesen sei», erzählt Imark. «Fraktionssitzungen in den verschiedensten Regionen der Schweiz finde ich zwar interessant, doch niemand begriff, warum wir in dieses Juhe rausmussten.»

Mit der Nomination selbst habe der Standort nichts zu tun gehabt, so Imark. «Die Fraktionssitzung im Unterwallis wurde schon vor Monaten geplant, längst bevor die Bundesratsrücktritte bekannt wurden.»

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 21. November 2022 15:50
aktualisiert: 21. November 2022 17:48