Bahnverkehr

Neuer BLS-Chef will keine Kämpfe um Fernverkehrslinien austragen

15. Dezember 2021, 10:52 Uhr
Die BLS soll weiterhin eine Rolle im Fernverkehr spielen, aber keine Kämpfe mehr mit der SBB um Linien führen. Das sagte der neue Chef des zweitgrössten Schweizer Bahnunternehmens, Daniel Schafer, am Mittwoch vor den Medien.
Der neue CEO der Privatbahn BLS will auf Augenhöhe mit Bund, Kantonen und der SBB agieren.
© BLS

Schafer will sich aber für ein Mehrbahnenmodell einsetzen, das gemeinsam mit der SBB den Verkehr bereitstellt. Es könne nicht darum gehen, der SBB Kunden wegzunehmen, sondern neue Kunden in das System hineinzubringen.

Dass der öffentliche Regionalverkehr keine Gewinne abwerfen soll, akzeptiert Schafer. Der Gesetzgeber habe dies so gewollt und innerhalb dieser Vorgaben habe sich die BLS zu bewegen, gab der BLS-Chef zu verstehen.

Mit seinen Aussagen grenzte sich Schafer von seinem Vorgänger, Bernard Guillelmon, ab. Unter ihm hatte sich die BLS einen Machtkampf mit der SBB um eigenwirtschaftliche Fernverkehrslinien geliefert. Guillelmon nahm vergangenes Jahr nach einer Subventionsaffäre den Hut.

Schafer gab am Mittwoch bekannt, dass er zuversichtlich sei, dass die Bahn die zu viel bezogenen Subventionen bis Ende Jahr zurückerstatten könne. Er sei froh, wenn die BLS dieses «düstere Kapitel» hinter sich lassen könne.

Heute sei es nun jederzeit möglich, ein korrektes finanzielles Abbild der Unternehmung zu schaffen und stets den richtigen Einblick in die Zahlen zu haben. «Da mussten wir einen gewaltigen Sprung nach vorne machen», sagte Schafer.

Neue Bedürfnisse

Aktuell spürt auch die BLS die Coronapandemie, die zu starken Frequenzveränderungen im Bahnverkehr führt und jede Planung schwierig macht. Die Pandemie werde sich auch langfristig auf das Verkehrsverhalten auswirken, sagte Schafer. Es gelte, sich mit den neuen Bedürfnissen, etwa nach kombinierter Mobilität, auseinanderzusetzen. Gefragt seien in Zukunft Effizienz und Komfort.

Um die Herausforderungen der Zukunft stemmen zu können, braucht die BLS eine neue Werkstätte. Ins Auge gefasst hat das Unternehmen einen Standort am Stadtrand von Bern. Doch dort hält sich der Widerstand gegen das Vorhaben hartnäckig.

Ohne neue Werkstätte drohe der BLS ab 2027 eine «Service- und Reparaturlücke», warnte Schafer. Der CEO zeigte sich bereit, auch einen Standort bei Flamatt FR zu prüfen, doch der Standort im Westen Berns erfülle heute die Bedingungen am besten. «Wir bleiben im Dialog», kündigte der BLS-CEO an.

Runder Tisch

Im Dialog ist die BLS weiterhin auch im Zusammenhang mit einem Umweltskandal am Blausee. Das Bahnunternehmen wird beschuldigt, in einem Steinbruch unweit des Ausflugsziels nicht zugelassenen Bahnschotter ab- oder zwischengelagert zu haben.

In der Fischzucht am Blausee kam es in den vergangenen Jahren zu mehreren Fischsterben. Die Besitzer des Ausflugsziels sind überzeugt, dass aus dem Steinbuch giftige Stoffe ins Wasser gelangten.

Aktuell verhandeln die verschiedenen Parteien an einem Runden Tisch über die Vorwürfe. Laut Schafer hat man sich auf gemeinsame Untersuchungen geeinigt. Mehr dazu werde im ersten Quartal 2022 öffentlich gemacht, kündigte der BLS-Chef an.

Der CEO der BLS sprach sich am Mittwoch zudem einmal mehr für den Vollausbau des Lötschberg-Basistunnels aus. «Künftige Generationen werden es uns danken.»

Schifffahrt ausgelagert

Das finanzielle Sorgenkind der Schifffahrt auf dem Thuner und Brienzersee hat die BLS jüngst in eine eigenständige Gesellschaft ausgelagert. Anders als die Bahn, werden die Schiffe nicht von der öffentlichen Hand subventioniert.

Die BLS will laut Schafer auch langfristig die Mehrheit an der Schifffahrt behalten, doch sollen auch Beteiligungen von Partnern, etwa aus dem Tourismussektor möglich sein.

Quelle: sda
veröffentlicht: 15. Dezember 2021 10:55
aktualisiert: 15. Dezember 2021 10:55
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