Beunruhigende Studie

Nicht fit: Jeder dritte Busfahrer setzt sich trotzdem hinters Steuer

9. Juli 2022, 17:34 Uhr
Eine Umfrage verschiedener Gewerkschaften und Buschauffeuren zeigt: Busfahrerinnen und Busfahrer haben oft Gesundheitsprobleme. Hauptbeschwerden sind Muskelschmerzen an Schultern und Nacken, Rückenschmerzen, übermässige Erschöpfung und Schlafstörungen. Fast ein Drittel setzt sich auch nicht fit ans Steuer.

Quelle: Tele 1

Im Durchschnitt gibt jede befragte Person an, an vier gesundheitlichen Problemen zu leiden. Demnach verspürt jede zweite Person Muskelschmerzen im Schulter- und Halsbereich, übermässige Erschöpfung und Rückenschmerzen. Mehr als jeder Dritte hat Schlafprobleme, Stress und ist gereizt. Das ist das Resultat einer Umfrage der Gewerkschaften SEV, syndicom und VPOD in Zusammenarbeit mit der Universität Lausanne.

Dies führte dazu, dass im vergangenen Jahr die Arbeitsausfälle zugenommen haben. Einer von zwei Fahrern fiel 2021 mindestens einmal wegen Krankheit aus. Dazu kommt es aber nicht immer, wie die Umfrage weiter zeigt. Fast ein Drittel der Fahrerinnen und Fahrer arbeiten, auch wenn sie nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte sind. Damit steht nicht nur die Gesundheit der Busfahrerinnen und -fahrer auf dem Spiel, sondern auch die Sicherheit der Passagiere.

Weshalb hat diese Berufsgruppe so viele Gesundheitsprobleme?

Die Uni Lausanne stellt fest, dass die Gesundheitsprobleme bei Buschauffeuren mit den Arbeitsbedingungen in Verbindung stehen. Beispielsweise wurde nachgewiesen, dass die Vibrationen, denen der Körper täglich ausgesetzt ist, eine Ursache für Rückenschmerzen sind.

Die Umfrage diente auch der Bewertung gewisser Erschwernisse. Dienste über zehn Stunden aufgrund der Unterbrüche der Fahrzeit finden 80 Prozent beschwerlich. Lange Arbeitszeiten ohne Zugang zu Toiletten landeten auf dem dritten Rang. Zwar stellten die Gewerkschaften aufgrund der steigenden Zahl von Frauen mehr WCs an den Wendepunkten fest. Enge Fahrpläne und aufgelaufene Verspätungen hielten aber viele vom Toilettenbesuch ab, sodass sie aufs Trinken verzichteten.

Velofahrer stressen

Das Verhalten der Velofahrer und die Aggressivität der anderen Verkehrsteilnehmer landeten auf den Plätzen zwei und vier der Beschwerdeliste. Abhilfe schaffen würden Busspuren. In der Corona-Pandemie waren über 40 Prozent der Busfahrerinnen und -fahrer mit verkürzten Ruhezeiten konfrontiert, weil sie Kollegen ersetzen mussten.

Die Gewerkschaften verschickten 4324 Fragebogen und erhielten 916 Antworten.

(red.)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 9. Juli 2022 10:18
aktualisiert: 9. Juli 2022 17:34
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