Ochse Léo transportiert jetzt Bier

Lara Abderhalden, 2. Januar 2017, 05:45 Uhr
Die beiden sind fast schon eine Berühmtheit: Der Westschweizer Gaëtan Dubler ist im Sommer mit seinem Ochsen Léo von Yverdon nach Rorschach gelaufen. Für Aufsehen sorgte sein Ochse, weil er immer wieder auf öffentlichen Plätzen zu sehen war. Jetzt ist Gaëtan Dubler mit Léo zurück in Yverdon und sie haben eine neue Aufgabe: Der Transport von Bier.

Es war ein mühseliger und langer Weg nach Rorschach. Während zwei Monaten waren Gaëtan Dubler und Ochse Léo im Juli dieses Jahres auf dem Jakobsweg unterwegs. Zu Fuss wanderten die beiden über Stock und Stein, Hängebrücken und entlang von Strassen, bis sie schliesslich völlig erschöpft in Rorschach ankamen.

Gaëtan Dubler und Ochse Léo bei der Ankunft in Rorschach.  Copyright: Raphael Rohner
Gaëtan Dubler und Ochse Léo bei der Ankunft in Rorschach.  Copyright: Raphael Rohner

Nach der Ankunft in Rorschach wurde es ruhig um Gaëtan Dubler und seinen Ochsen. Geplant war, mit Léo den ganzen Weg zurück nach Yverdon zu marschieren. Alles kam dann aber ein bisschen anders: «Wir starteten den Heimweg von Rorschach aus. Während des Laufens sind wir auf eine Gruppe gestossen, die mit Ziegen unterwegs war», erzählt Gaëtan Dubler. Die Besitzer seien mit den Ziegen bereits von Mexiko nach Kanada gelaufen. Da die Gruppe einen grossen Anhänger für die Ziegen dabei hatte, entschied sich Dubler dazu, den Rückweg mit dem Gefährt zurück zu legen.

Bier ist ein Renner

«Der Weg nach Rorschach war sehr beschwerlich. Überall hatte es Zäune und enge Wege. Ich wollte das Léo nicht mehr antun, deshalb sind wir zurück nach Yverdon mit dem Anhänger.» Dort angekommen wollte er eigentlich verschiedene Touren mit Léo anbieten. Aber: «Die Leute waren nicht gross an Touren interessiert», deshalb habe er anderweitig nach Ideen gesucht und auch gefunden. Seit dem Sommer transportiert Léo Bier.

«Wir dürfen für einzelne traditionelle Brauereien Bier transportieren», erklärt der Westschweizer. Der einjährige Ochse bekomme eine Art Rucksack umgeschnallt, gefüllt mit Bier. Dieses werde an verschiedene Anlässe oder in Cafés transportiert. «Oft kaufe ich das Bier auch selbst und vertreibe es auf der Strasse oder an Märkten.» Dieses Jahr durfte er an verschiedene Weihnachtsmärkte in Yverdon und Lausanne sein Bier verkaufen. Das sei toll gewesen, nur hätten die beiden es oft nicht bis zum Weihnachtsmarkt geschafft: «Bereits bevor wir am Weihnachtsmarkt ankamen, hatten wir schon alle Biere verkauft», es habe jeweils ein riesiges Gerangel rund um Léo und seinen Beistzer gegeben und die Biere waren innert 20 Minuten weg. «Das war nicht einmal unbedingt schlecht, so mussten Léo und ich weniger weit laufen», scherzt Gaëtan Dubler.

Die Menschen kennen Léo

Léo und er sind in der Westschweiz zu einer kleinen Berühmtheit geworden. Man erkenne sie auf der Strasse und die Freude, Léo zu sehen, sei riesig: «Viele Menschen haben uns bereits bei der Tour nach Rorschach gesehen und erkundigen sich, wie es Léo geht und was wir heute tun.» Das Interesse sei riesig, der Absatz gut. «Die Menschen schätzen, dass wir das Bier auf ökologische, traditionelle Weise verkaufen.» Mit dem Gewinn aus dem Bierverkauf sichert sich Dubler seine und Léos Existenz.

Auch Léo scheint sein neuer Job zu gefallen: «Er kann nicht ruhig im Stall sitzen. Spätestens nach ein paar Tagen wird es ihm langweilig und er muss raus.» Im Dezember seien die beiden fast täglich zu Fuss unterwegs gewesen.

Weil das Bier vom Ochsen transportiert wird, wurde es mit einem speziellen Logo versehen und ab kommendem Frühling gibt es sogar ein Bier, das nach Léo benannt wird. «Wir entwickeln eine ganz spezielle Sorte. Wir haben eine Getreidesorte entdeckt, die blau ist. Auch bei der Produktion des Bieres bleibt das Bier blau. Im Frühling werden wir somit das erste blaue Bier der Welt auf den Markt bringen.»

Das transportierte Bier hat ein Logo der beiden pd
Das transportierte Bier hat ein Logo der beiden pd

Bücher statt Bier

Bei diesem Bier ist Léo von A bis Z dabei. Er wird das Getreide zu den Brauereien transportieren und dort das Bier wieder abholen. «Es wird unser eigenes Bier.» Doch Bier ist nicht das einzige, was der Ochse mit sich herum tragen soll. «Ich bin ein wissenschaftlicher Journalist und habe vor einiger Zeit ein Buch veröffentlicht. Da dieses Buch nicht für alle zugänglich ist, möchte ich dieses mit Léo verkaufen.» Ob sich die Bücher so gut wie das Bier verkaufen lassen, das weiss der Westschweizer noch nicht.

Eines ist Gaëtan Dubler ganz wichtig: «Léo soll es immer gut gehen. Ich gebe ihm immer nur die Hälfte der Last, die er eigentlich tragen könnte.» Im Moment gehe es ihm gut. Er liebe die Arbeit mit den Brauereien, ist Menschen gegenüber überhaupt nicht scheu und wagt sich mittlerweile sogar in Gebäude: «Neulich war er mit mir in einer Brauerei, das war total interessant und er ist vollkommen ruhig geblieben.»

Ochse Léo blieb in der Brauerei völlig ruhig. ©pd
Ochse Léo blieb in der Brauerei völlig ruhig. ©pd

 

Lara Abderhalden
veröffentlicht: 2. Januar 2017 05:45
aktualisiert: 2. Januar 2017 05:45