Orden und Bistum schauten jahrelang weg

27. März 2018, 17:20 Uhr
Zwei Mitglieder der Untersuchungskommission (links) sprechen mit dem Kapuziner-Provinzial Agostino del-Pietro (rechts).
© KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Im Fall des Kapuzinerpriesters, dessen pädophile Übergriffe vor einem Jahr in einem Buch enthüllt wurden, haben der Orden und die katholische Kirche jahrelang weggeschaut. Das zeigt der am Dienstag präsentierte Untersuchungsbericht. Der Kapuzinerpriester lebt in einem Kloster in Wil.

Wie der ehemalige Freiburger Kantonsrichter Alexandre Papaux in Freiburg vor den Medien sagte, hat die Untersuchung nichts an der Zahl der Opfer geändert. Es geht um 22 Kinder in der Schweiz und zwei in Frankreich.

Sie wurden Opfer eines heute 77-jährigen Mannes, dessen Übergriffe vor einem Jahr das Missbrauchsopfer Daniel Pittet in einem Buch enthüllte. Papst Franziskus höchstpersönlich lieferte dem Freiburger das Vorwort. Er bezeichnet darin Kindsmissbrauch als «fürchterliche Sünde». Der Kapuzinerorden kündigte in der Folge die Untersuchung an.

Erste Klagen in den 70er-Jahren

Wie diese nun zeigt, gingen erste Klagen zu Übergriffen des Kapuzinerpriesters in den 1970-er Jahren ein. Die Oberen des Ordens gingen zuerst nicht auf die Klagen ein. Später begnügten sie sich damit, den Priester zu versetzen.

Auch die Diözese Lausanne, Genf und Freiburg der katholischen Kirche blieb passiv gegenüber den Opfern und schaltete die Justiz nicht ein. Die Kirche rief auch dann nicht die Justiz auf den Plan, als der Priester 1989 einen noch nicht verjährten Missbrauch zugab.

Verbleib in der Ostschweiz

Der heutige Provinzial der Schweizer Kapuziner, Agostino del-Pietro, sagte am Dienstag in Freiburg, ein solcher Fall dürfe sich nie mehr wiederholen. Er bat im Namen seines Ordens um Entschuldigung. Ab sofort würden bei den Kapuzinern Fragen der Sexualität in die Aus- und Weiterbildung integriert.

Erst im Mai 2017 war der pädophile Priester, der heute in einem Kloster in Wil lebt, vom Orden ausgeschlossen worden. Damals wurde er auch aus dem Priesterstand entlassen.

Der Ex-Priester stand nach Angaben der Schweizer Bischofskonferenz von vergangenem Jahr drei Mal wegen sexueller Übergriffe vor Gericht. Zweimal ging es um verjährte Fälle, im dritten Fall sei der Mann 2012 zu einer Haft von zwei Jahren bedingt verurteilt worden. Dabei sei es um den Missbrauch zweier Opfer in den 1990er-Jahren gegangen. Pittets Fall ist strafrechtlich abgeschlossen.

 

Quelle: SDA
veröffentlicht: 27. März 2018 15:25
aktualisiert: 27. März 2018 17:20