Persönlichkeitsstudie

Ordentliche wählen die SVP – Bescheidene die SP

8. Mai 2022, 14:42 Uhr
Bescheidenheit, Kreativität und Empathie sind Facetten, die dich gut beschreiben? Dann vertraust du wahrscheinlich besonders den Grünen und den Sozialdemokraten. Eine Schweizer Studie zeigte, dass die Persönlichkeit einen signifikanten Einfluss auf die Parteipräferenz hat.
Welche Persönlichkeit wählt welche Partei? Die Wissenschaft hat eine Antwort.
© Getty Images

Die Persönlichkeit ist die Gesamtheit aller Merkmale, die eine Person zeitstabil kennzeichnen und unverwechselbar machen. Dem heutigen Wissensstand zufolge können rund 50 Prozent der Unterschiede zwischen den individuellen Persönlichkeiten von der Genetik erklärt werden, die anderen 50 Prozent von der Umwelt. Die Grundsteine dafür werden in den frühen Kindheitsjahren gelegt.

Eines der am weitverbreitetsten Persönlichkeitsparadigmen in der Psychologie ist das rund 50 Jahre alte Fünf-Faktoren-Modell. Dieses wurde durch eine Vielzahl von Studien belegt und gilt heute international als das universelle Standardmodell der Persönlichkeitsforschung. Das Modell beinhaltet fünf robuste Persönlichkeitsdimensionen: Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus. Jede der fünf Faktoren repräsentiert eine Skala, auf welche jeder Mensch sich einordnen lässt. Bestimmte Tests erheben die individuelle Persönlichkeit – diese sind jedoch kostenpflichtig. Eine weniger umfassende Version, dafür gratis, findest du hier.

Persönlichkeit und Partei

Dass die Persönlichkeit für bestimmte Verhaltensweisen mitverantwortlich ist, ist naheliegend. Eine Schweizer Studie aus dem Jahre 2017 («Die Psyche des Politischen») zeigte, dass die Persönlichkeit sogar die Parteipräferenzen beeinflusst. Ein besonders hoher Grad an Gewissenhaftigkeit hängt beispielsweise stark mit der Präferenz für die Schweizerische Volkspartei (SVP) zusammen.

Offenheit phantasievoll, neugierig, kreativ, interessiert und einfallsreich                        Wählen eher SP, Grüne und GLP
Gewissenhaftigkeit diszipliniert, fleissig, gründlich, pflichtbewusst, regeltreu und gut organisiert                                                                               Wählen eher SVP und die Mitte
Extraversion gesellig, aktiv, gesprächig, durchsetzungsfähig und sozial dominant                                                                      Wählen eher SVP, FDP, GLP und die Mitte
Verträglichkeit vertrauensvoll, bescheiden, altruistisch, mitfühlend, kooperativ und konfliktscheu                                                                 Wählen eher SP und Grüne
Neurotizismus besorgt, ängstlich, traurig, unsicher, unruhig und wenig entspannt                  Wählen eher SP und die Mitte (und teilweise SVP)

Die Studie zeigte des Weiteren, dass besonders die verträglichen Schweizerinnen und Schweizer zufrieden mit der Demokratie sind, die Offenen politisch interessiert sind und die Menschen mit einer hohen Ausprägung an Extraversion sich viel politisches Wissen zutrauen. Wählen die neurotischen Menschen tendenziell links, so überraschen die Ergebnisse im Bereich der Offenheit in der Politik. Im Gegensatz zu den Verträglichen und den Offenen sind die Neurotischen verschlossener gegenüber anderen Argumenten.

Gewissenhafte hören Radio

Auch variiert, woher die Persönlichkeiten ihre politischen Informationen herholen. Radio hören der Studie nach besonders die Gewissenhaften und Menschen mit einem hohen Grad an Extraversion. Diese zwei und die Offenen lesen zudem am meisten die Tageszeitungen. Auf Gratiszeitungen greifen insbesondere die Gewissenhaften zurück. Während die Gewissenhaften besonders die «Aargauer Zeitung», den «Blick» und «20 Minuten» lesen, suchen sich die Offenen besonders im «Tages-Anzeiger» und in der «NZZ» ihre Informationen.

Die Persönlichkeit der Schweizerinnen und Schweizer

Welche Persönlichkeiten sich in der Schweiz herumtreiben – auch diese Frage versuchte die Studie zu beantworten. Den Ergebnissen nach sind Schweizer Frauen mitunter zwar emotional instabiler, dafür aber im Gegensatz zu ihren männlichen Weggefährten offener, gewissenhafter, kooperativer und geselliger. Schweizerinnen und Schweizer mit zunehmendem Bildungsgrad sind der Studie nach extrovertierter, gewissenhafter und offener. Tendenziell haben Hochgebildete auch weniger mit Sorgen und Ängsten zu kämpfen.

So interessant Studienergebnisse auch sein können, müssen sie immer mit Vorsicht betrachtet werden. Trotz vielen statistischen Korrekturen gibt es immer eine Vielzahl an Einflüssen, die die Ergebnisse verzerren. Ausserdem repräsentieren die Daten eine bestimmte Stichprobe und stellen kaum eins zu eins die Realität dar.

(zoe)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 8. Mai 2022 11:38
aktualisiert: 8. Mai 2022 14:42
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