Grund unklar

Rekordanstieg des Treibhausgases Methan in der Atmosphäre

26. Oktober 2022, 18:05 Uhr
Nie seit Beginn der systematischen Messungen vor fast 40 Jahren ist die Konzentration des Treibhausgases Methan in der Atmosphäre so stark gestiegen wie 2021.
ARCHIV - Symbolbild. Foto: David Young/dpa
© Keystone/dpa/David Young
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Die Weltwetterorganisation (WMO) in Genf steht vor einem Rätsel: «Der Grund für diesen aussergewöhnlichen Anstieg ist nicht klar, scheint aber sowohl auf biologische als auch auf vom Menschen verursachte Prozesse zurückzuführen zu sein», berichtete sie am Mittwoch. Die Konzentration von Methan in der Atmosphäre habe damit 2021 zugleich einen Höchststand erreicht, ebenso wie die von Kohlendioxid und Lachgas – jeweils seit Beginn der Messungen dieser Treibhausgase.

Besonders klimaschädlich

Methan (CH4) trägt nach Kohlendioxid (CO2) am meisten zum Klimawandel bei. Es entsteht, wo organisches Material unter Luftausschluss abgebaut wird. Es ist 25-mal klimaschädlicher als CO2. Es hält sich jedoch viel kürzer in der Atmosphäre. Bei Methan sind es gut zehn Jahre, bei CO2 ist selbst nach Jahrhunderten ein beträchtlicher Anteil noch in der Atmosphäre.

CO2 trägt etwa zwei Drittel zum Treibhauseffekt bei, Methan gut 16 Prozent und Lachgas rund 6,5 Prozent. Alle Treibhausgase zusammen haben zu einer durchschnittlichen weltweiten Erwärmung von 1,1 Grad seit Ende des 19. Jahrhunderts geführt. In Deutschland waren es 1,6 Grad.

Die globale Durchschnittskonzentration von Methan stieg nach WMO-Schätzungen 2021 um 18 auf 1908 ppb (parts per billion - Teilchen Methan pro Milliarde Teilchen). Im Jahr davor war der Anstieg mit 15 ppb ebenfalls deutlich grösser als im langjährigen Durchschnitt. 1908 ppb entspricht 262 Prozent des Niveaus vor der Industrialisierung.

Grund für Anstieg unklar

Ein Grossteil stamme wohl aus Feuchtgebieten und Reisfeldern, schreibt die WMO in ihrem jährlichen Treibhausgas-Bulletin. Unklar sei noch, ob dies eine Folge des Klimawandels ist, etwa, weil Feuchtgebiete feuchter und wärmer werden. Je wärmer desto schneller wird organisches Material abgebaut, und ein Abbau im Wasser ohne Sauerstoffzufuhr führt zu höheren Methanemissionen. Aber die WMO schreibt auch: «Der dramatische Anstieg könnte auch auf die natürliche jährliche Variabilität zurückzuführen sein.»

(sda/fho)

Quelle: sda
veröffentlicht: 26. Oktober 2022 18:06
aktualisiert: 26. Oktober 2022 18:06