Schweiz

Risiko der Arbeitslosigkeit hat für ältere Personen nicht zugenommen

Gina Bachmann, 25. Februar 2020, 18:37 Uhr
Wer in höherem Alter arbeitslos wird, hat es heute schwieriger, wieder einen Job zu finden.
© Gaetan Bally
Eine Studie liefert erstmals Erkenntnisse zu den Erwerbsverläufen von älteren Arbeitnehmern in der Schweiz. Die Zahlen interessieren vor allem im Hinblick auf die zurzeit viel diskutierte Überbrückungsrente.

Die Erwerbstätigkeit älterer Arbeitnehmer wird in der Schweiz seit Jahren kontrovers diskutiert. So ist die Masseneinwanderungsinitiative 2014 nicht zuletzt deshalb angenommen worden, weil viele die Zuwanderung für die zunehmend prekäre Situation älterer Personen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt verantwortlich gemacht haben. Und auch im Hinblick auf die Begrenzungsinitiative der SVP, über welche die Schweiz am 17. Mai abstimmen wird, ist das Thema wieder aktuell. Denn der Bundesrat will ältere Arbeitnehmer mit einer Überbrückungsrente entlasten und der Initiative so Wind aus den Segeln nehmen.

Doch nun zeigen am Dienstag veröffentlichte Zahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco), dass das Risiko, als ältere Person arbeitslos zu werden, über die Jahre gar nicht zugenommen hat. Vielmehr sei es in etwa konstant geblieben. Gleichzeitig hat die Erwerbstätigkeit von über 50-Jährigen hat im Verlauf der Zeit klar zugenommen, kommt die Arbeitsmarktstudie des Seco zum Schluss. Dieser Zuwachs ist gemäss Seco vor allem auf die Frauen zurückzuführen, welche sich im Verlauf der Zeit immer stärker am Arbeitsmarkt beteiligt haben.

Jüngste untersuchte Gruppe hat die grössten Probleme

Konkret haben die Verfasser der Studie drei Jahrgangsgruppen untersucht, um eine Aussage über mittelfristige Veränderungen treffen zu können. Die drei Gruppen decken die Jahrgänge 1942-1948, 1949-1955 und 1956-1962 ab. Abgesehen vom Risiko, überhaupt erst arbeitslos zu werden, zeigt die Studie auch, wie das Abrutschen in die Arbeitslosigkeit den späteren Erwerbsverlauf beeinflusst. Hier zeigt sich, dass die jüngste untersuchte Gruppe grössere Schwierigkeiten hat, nach einem Jobverlust wieder in der Wirtschaft Fuss zu fassen. Auch bei einer Aussteuerung ist es für die Jahrgänge 1956 bis 1962 schwieriger geworden, sich wieder in die Arbeitswelt einzugliedern als es dies noch für die tieferen untersuchten Jahrgänge in diesem Alter gewesen war.

Als möglichen Grund wird in der Studie angeführt, dass die Vermittelbarkeit von älteren Arbeitslosen ab 55 Jahren im Zeitverlauf abgenommen haben könnte. Zudem sei denkbar, dass es schwieriger geworden ist, Personen ab 55 Jahren überhaupt erst zu rekrutieren, etwa wegen deren mangelnder Technikaffinität oder fehlenden Informatikkenntnissen.

Tauziehen im Parlament geht im März weiter

Die Resultate dieser Studie dürften im Rahmen der Debatte über eine Überbrückungsrente spätestens in der Frühlingssession des Parlaments im März noch zu reden geben. Während es die ursprüngliche Idee des Bundesrats war, Arbeitslosen ab 60 Jahren eine Rente bis zu ihrem frühestmöglichen Pensionierungstermin zu zahlen, schwächte der Ständerat den Vorschlag sowohl im Hinblick auf die Höhe der Rente als auch den Kreis der Bezüger ab. Die Sozialkommission des Nationalrats dagegen hält sich nun wieder stärker an den Bundesrat, ja weitete die Rente sogar noch auf einen grösseren Empfängerkreis aus. In der kommenden Session werden sich National- und Ständerat nun auf eine Vorlage einigen – danach kommt die Vorlage womöglich noch vors Volk.

Gina Bachmann
Quelle: CH Media
veröffentlicht: 25. Februar 2020 15:53
aktualisiert: 25. Februar 2020 18:37