Schweiz

Rot-grüner Triumph bei Wahlen in Stadtregierung

30. November 2020, 05:44 Uhr
Alec von Graffenried – hier bei einem Interviewtermin 2018 – schafft die erste Hürde zur Wiederwahl als Stadtpräsident von Bern problemlos.
© Sandra Ardizzone
Bei den Wahlen in die Berner Stadtregierung holen die rot-grünen Parteien am Sonntag erneut vier von fünf Sitzen. Und mit 93,5 Prozent der Stimmen bleibt Alec von Graffenried Stadtpräsident.

(sat) SVP und FDP sind auch die nächsten vier Jahre nicht in der Berner Stadtregierung vertreten. Ihr gemeinsamer Angriff auf die rot-grüne Regierungsmehrheit ist am Sonntag deutlich gescheitert. Vielmehr haben bei den Wahlen in der Stadt Bern die rot-grünen Parteien ihren Triumph von 2016 wiederholt und erneut vier von fünf Sitzen geholt.

«Ich bleibe damit der letzte bürgerliche Mohikaner in der Stadtregierung», sagte der wiedergewählte CVP-Gemeinderat Reto Nause zu SRF. Seine Mitte-Liste konnte ihren einzigen Sitz damit zum dritten Mal verteidigen. Und Nause schaffte mit 14‹400 Stimmen gar sein persönliches Bestresultat. Wegen einer Amtszeitbeschränkung wird es jedoch die letzte Legislatur des 49-jährigen ehemaligen Generalsekretärs der CVP Schweiz sein.

SP kann Ursula Wyss› Sitz verteidigen

Gross war die Freude am Sonntagabend auch bei SP und Grünen. Franziska Teuscher (Grünes Bündnis) machte mit 33'077 Stimmen das beste Ergebnis, gefolgt von der neuen SP-Frau Marieke Kruit (31’411 Stimmen), Stadtpräsident Alec von Graffenried (Grüne freie Liste/31'053 Stimmen) und Michael Aebersold (SP/30'227 Stimmen). Die Bernerinnen und Berner fühlten sich in der Stadt «eben wohl», sagte Wahlsiegerin Teuscher. Das zeige sich nun auch im Wahlresultat.

Überaus deutlich war zuvor bereits die Wahl ums Stadtpräsidiums ausgefallen. 93,5 Prozent der Stimmen erhielt der bisherige Stapi Alec von Graffenried. Sein einziger Herausforderer – Aussenseiterkandidat und Videothekar Stefan Theiler – erhielt gerade mal 2413 Stimmen. Die hohe Zahl von 5419 Wahlzettel wurden dagegen leer eingelegt oder waren ungültig.

Thomas Fuchs verpasst Einzug in Stadtregierung

Das grosse Politcomeback mit dem Einzug in die Stadtregierung für das Bürgerliche Bündnis verpasst hat dagegen Thomas Fuchs. Der 54-jährige Präsident der städtischen SVP musste zuletzt wegen einer parteiinternen Amtszeitbeschränkung auf eine Wiederwahl für das Kantonsparlament verzichten. Zuvor hatte der umtriebige Politiker in über zwei Jahrzehnten schon im Berner Stadtparlament als auch kurzzeitig im Nationalrat gesessen.

In der fünfköpfigen Berner Stadtregierung war nach dem bereits länger angekündigten Rücktritt von Ursula Wyss (SP) ein Sitz vakant. Die einstige Präsidentin der SP-Fraktion im Bundeshaus wird im Dezember nach acht Jahren im Gemeinderat ihr letztes politisches Amt abgeben. Was die 47-Jährige danach beruflich plant, dazu hat sich Wyss bisher nicht geäussert.

Der Bernburger Alec von Graffenried steht seit vier Jahren an der Spitze Berns. Der 58-jährige Jurist, vierfache Vater und ehemalige Angestellte eines grossen Baukonzerns wurde damals direkt in die Stadtregierung und in das Stadtpräsidium gewählt. In einer Kampfwahl setzte sich der alt Nationalrat der Grünen gegen Ursula Wyss durch. Die SP verlor damit das Stadtpräsidium nach Jahrzehnten. Der letzte SP-Stapi – der inzwischen verstorbene Nationalrat Alexander Tschäppät – hatte vor vier Jahren auf eine Wiederwahl verzichtet.

Seit 28 Jahren fest in rot-grüner Hand

In Bern stellen rot-grüne Parteien seit nunmehr 28 Jahren die Mehrheit in der Stadtregierung und im Stadtparlament. In den vergangenen vier Jahren war CVP-Mann Nause als Vertreter der Mitte-Liste der einzige Vertreter der Bürgerlichen im Gemeinderat. Weil sich FDP und SVP vor vier Jahren nicht auf eine gemeinsame Liste einigen konnten, verpassten beide Parteien aufgrund des Wahlsystems den Einzug in die Stadtregierung respektive die Freisinnigen verloren ihren letzten verbliebenen Gemeinderatssitz. Umgekehrt war Rot-Grün mit einem Stimmenanteil von gut 60 Prozent und vier von fünf Sitzen in den vergangenen vier Jahren – wie nun auch weiterhin – in der Stadtregierung deutlich überrepräsentiert.

Die Resultate der Wahlen ins Berner Stadtparlament sind noch ausstehend. Beobachter gehen allerdings davon aus, dass das rot-grüne Lager die deutliche Mehrheit halten wird. Die Verzögerungen führt die Stadt einerseits auf die hohe Stimmbeteiligung als auch Einschränkungen beim Auszählen der Stimmen aufgrund der Coronapandemie zurück.

Quelle: CH Media
veröffentlicht: 29. November 2020 22:51
aktualisiert: 30. November 2020 05:44