Rund 80 Menschen versammeln sich in Genf im Gedenken an Adeline

15. September 2015, 21:04 Uhr
In Erinnerung an Adeline versammeln sich rund 80 Personen im Genfer Parc des Bastions
In Erinnerung an Adeline versammeln sich rund 80 Personen im Genfer Parc des Bastions
© KEYSTONE/MAGALI GIRARDIN
Zwei Jahre nach dem Tötungsdelikt an einer Genfer Sozialtherapeutin haben sich im Parc des Bastions in der Genfer Innenstadt rund 80 Menschen zu einem Gedenkanlass eingefunden. Die Versammlung wurde vom Kollektiv "Justice pour Adeline" organisiert.

Angehörige und Freunde sprachen mit viel Emotionen von ihren Erinnerungen an die Verstorbene. Alle Anwesenden trugen eine Kerze in der Hand. Zum Schluss der Zeremonie gedachten sie Adeline mit einer Schweigeminute.

Die Sozialtherapeutin war am 12. September 2013 auf einem Freigang von einem wegen mehrfacher Vergewaltigung verurteilten Täter umgebracht worden. Der Häftling sollte eine Reittherapie absolvieren und durfte dafür sogar ein Messer zur Pflege der Hufe kaufen.

Der mutmassliche Täter - ein französisch-schweizerische Doppelbürger - wurde drei Tage nach der Tat an der Grenze zwischen Deutschland und Polen verhaftet. Das Strafverfahren zum Tötungsdelikt ist noch nicht abgeschlossen. Ein Prozess dürfte frühstens 2016 stattfinden.

Auch auf politischer Ebene ist der Fall noch nicht endgültig aufgearbeitet. Eine Administrativuntersuchung durch den früheren Genfer Staatsrat Bernard Ziegler kam zum Schluss, dass der Häftling das Gefängnis nicht hätte verlassen dürfen.

Die Direktorin des auf Resozialisierung spezialisierten Zentrums "La Pâquerette", das unterdessen geschlossen und durch die Institution "Curabilis" abgelöst wurde, kassierte lediglich einen Verweis. Dies entzürnte Angehörige des Opfers, welche in einer Petition mit 4164 Unterschriften eine neue Untersuchung verlangten.

Das Genfer Kantonsparlament setzte zum Fall eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) ein. Deren Resultate werden bis Ende Juni 2016 erwartet. Erst Ende August verstärkte sich die PUK mit dem Aargauer Forensiker Joseph Sachs und zwei weiteren Experten.

Quelle: SDA
veröffentlicht: 15. September 2015 21:04
aktualisiert: 15. September 2015 21:04