Märkte

Russischer Einmarsch sorgt für Einbruch bei Schweizer Aktien

24. Februar 2022, 18:18 Uhr
Die russische Grossoffensive in der Ukraine hat die Börsen am Donnerstag rund um den Globus in die Knie gezwungen. Investoren schichteten ihre Depots auf risikoärmere Anlagekategorien um.
Aktien geraten wegen Eskalaton in Ukraine weltweit unter Druck (Symbolbild)
© KEYSTONE/ENNIO LEANZA

Sie flüchteten also in sichere Anlagen wie Gold, Staatsanleihen und Währungen wie den Schweizer Franken, den Yen oder US-Dollar. «Es herrscht Krieg in Europa», stellten Marktteilnehmer ernüchtert fest. Zwar waren sich Marktexperten einig, dass eine Panikreaktion bislang ausgeblieben ist, doch sei die Nervosität extrem hoch. Ökonomen fragen sich nun, wie stark die Einbussen sein werden, welche die die Realwirtschaft hinnehmen muss. Gleichzeitig sorgen die Energiemärkte für zusätzlichen Inflationsdruck in einer Zeit, in der die Zentralbanken versuchen, den Inflationsdruck zu bekämpfen.

Der Swiss Market Index (SMI) sackte am Donnerstag um 2,56 Prozent auf 11'636,76 Punkte ab. Der Schweizer Leitindex war zwischenzeitlich unter 11'500 Stellen gefallen.

Auch die übrigen europäischen Finanzplätze gaben deutlich nach. Der deutsche Dax, der französische Cac 40 sowie der britische FTSE 100 büssten fast 4 Prozent ein. An der Wall Street ging es mit dem Dow Jones zuletzt um 1,8 Prozent nach unten.

Banken unter Druck

In der Schweiz fielen vor allem Bankaktien mit herben Verlusten auf: Im Leitindex wurden UBS (-8,2%) und Credit Suisse (-4,8%) mit ans Tabellenende durchgereicht. Experten gehen davon aus, dass die Realwirtschaft rund um den Globus spürbare Einbussen hinnehmen muss, speziell auf dem «Alten Kontinent». Das belastet die kreditgebenden Finanzhäuser.

Zudem hatten Bankwerte zuletzt stark von der Aussicht auf höhere Zinserträge profitiert. Für das Ausmass des Zinsschritts der US-Notenbank am 16. März wird nun wohl der russische Präsident Wladimir Putin den Ausschlag geben, kommentierten Experten.

Konjunkturabhängige Werte wie Holcim (-4,4%), Sika (-3,5%) und ABB (-2,3%) gaben auch deutlich Terrain her. Die Aktien des Luxusgüterkonzerns Richemont verloren sogar 6,5 Prozent und für Swatch wurden 4,0 Prozent weniger bezahlt. Nicht viel besser erging es den Technologieaktien von AMS und Temenos, die jeweils 4,6 Prozent einbüssten.

Mit Gewinnen aus dem Tag gingen hingegen verschiedene defensive Valoren: Allen voran Givaudan rückten um 1,2 Prozent vor. Es folgten aus dem Gesundheitsbereich Sonova und Sika mit plus 0,6 Prozent. Vergleichsweise geringfügige Abgaben von jeweils 1,2 Prozent mussten auch die grosskapitalisierten Pharmawerte Roche und Novartis hinnehmen.

Rohstoffe im Hoch

Während die Aktienkurse purzelten, zogen die Preise für zahlreiche Rohstoffe an. So kostete etwa die Feinunze Gold so viel wie zuletzt im Juni 2021 und näherte sich in grossen Schritten der Marke von 2000 Dollar. Aber auch die Preise für Rohöl gingen durch die Decke. Der Brentölpreis überstieg zeitweise die 105-Dollar-Marke das Barrel.

Gleichzeitig kletterten am europäischen Gasmarkt die Grosshandelspreise dramatisch in die Höhe. Und auch Palladium, Aluminium und Nickel verteuern sich markant. Aber nicht nur Öl und Metalle sahen Preisanstiege. So zogen auch Mais- und Weizen-Futures an. Immerhin ist Russland der grösste Weizenexporteur der Welt.

Franken gesucht - Bitcoin nicht

Währungen wie der Schweizer Franken, der US-Dollar und der japanische Yen werden in unsicheren Zeiten oft nachgefragt. Das Euro/Franken-Paar etwa lotete im Tagesverlauf mehrmals Kurse unter der Marke von 1,03 Franken aus und markierte damit den tiefsten Stand seit sieben Jahren. Zuletzt erholte sich die Gemeinschaftswährung auf 1,0334 Franken.

Der US-Dollar zog derweil auch zum Franken etwas an. Im späten Handel kostete der «Greenback» 0,9266 Franken.

Bitcoin und Co. hingegen - vielerorts immer wieder als neue sichere Häfen betitelt - kamen der ihnen zugedachten Rolle nicht wirklich nach. Der Bitcoin als wichtigste Kryptowährung etwa sackte in der Nacht auf Donnerstag um fast 7 Prozent ab, bevor er die Abgaben im Handelsverlauf wieder etwas eindämmte.

Quelle: sda
veröffentlicht: 24. Februar 2022 18:19
aktualisiert: 24. Februar 2022 18:19
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