Bahn

SBB-Chef will mit Kantonen über Kostenerlass reden

12. September 2020, 13:20 Uhr
Vincent Ducrot, der Chef der SBB, bei der Präsentation der Halbjahreszahlen der Bundesbahn am Donnerstag in Bern.
© Anthony Anex / Keystone
Weil Lokführer fehlen, lässt die SBB derzeit bis zu 200 Verbindungen täglich ausfallen. Das passt den Bestellern gar nicht. Nun ist Bahnchef Vincent Ducrot bereit zu Verhandlungen mit Kantonsvertretern.

(sat) Seit die SBB angekündigt haben, wegen einer Fehlplanung bei der Einstellung von Lokführern und wegen des Coronavirus würden bis Ende Jahr täglich 200 von 9000 Zugverbindungen ausfallen, reisst die Kritik nicht ab. Betroffene Bahnkunden und Gemeinden, aber auch Vertreter der Kantone und das Bundesamt für Verkehr haben bei der Bahn bereits interveniert. Nun zeigt sich Vincent Ducrot gesprächsbereit. In der «Samstagsrundschau» von Radio SRF kündet der SBB-Chef an, kommende Woche die Kantone zu einem Gespräch zu treffen.

«Wenn wir eine Leistung nicht erbringen, werden wir diese auf keinen Fall in Rechnung stellen», kündete Vincent Ducrot in der Radiosendung an. Und: «Die Kosten für einen Busersatz sind durch uns zu tragen.» Die Forderung nach Strafzahlungen quittierte der Bahnchef allerdings mit: «Das ist Politik, das ist normal.» Erst müsse die Situation nun mit den Kantonen sauber aufgearbeitet werden. «Dann werden wir eine gute Lösung finden.» Kurzfristig könnten Lokführer leider nicht einfach in Regionen mit Lokführermangel verschoben werden. «Das ist kompliziert», so Vincent Ducrot. Von den derzeitigen Ausfällen besonders stark betroffen sind die Romandie und der Aargau.

«Nie eine Sekunde gezögert»

Überhaupt sprach sich Vincent Ducrot knapp ein halbes Jahr nach dem Start als SBB-Chef dafür aus, «ein Thema nach dem anderen» anzugehen. Dabei werde er bestimmt auch Fehler machen. Er sei sich jedoch nur gewohnt, vorauszuschauen. Nicht zurück. Und da sehe er volle Klassen mit künftigen Lokführern, kontinuierlich steigende Fahrgästezahlen – «erst recht, wenn am Montag die Universitäten ihren Betrieb wieder aufnehmen werden» – sowie Lösungen zur Finanzierung der erlittenen Ausfälle in der Coronapandemie. Und auch die Finanzen der Bahn würden sich in den nächsten Jahren wieder erholen, zeigte sich Vincent Ducrot überzeugt. «Ich werde ja nicht der einzige CEO sein, der für dieses Jahr rote Zahlen präsentiert.»

Wenn er dereinst als Bahnchef abtrete, wolle er der Bahn ihren Stolz wieder zurückgebracht haben. Darum habe er auch «nie eine Sekunde gezögert», so Vincent Ducrot, wegen der heraufziehenden Pandemie am 1. April die Nachfolge von Andreas Meyer als SBB-Chef nicht anzutreten.

Quelle: CH Media
veröffentlicht: 12. September 2020 12:52
aktualisiert: 12. September 2020 13:20